Berliner Morgenpost: Die Berliner sind umzugsfreudig. Das war die Basis Ihrer Geschäftsidee, stimmt sie noch heute?
Klaus Zapf: Na klar. Statistisch gesehen zieht jeder siebte bis achte Berliner einmal im Jahr um. Im Moment ist es eher jeder achte. Das ist nicht verwunderlich. Denn in der Stadt findet jeder ein für seine Situation geeignetes Zuhause, es gibt reichlich leere Wohnungen.
Im Jahr 1975 haben Sie als Student Ihre Spedition gestartet, heute ist Ihre Firma eine der größten in der Branche. Wie macht man so etwas?
Wir sind heute die größte Möbelspedition in Deutschland. Die Erklärung dafür ist ganz einfach: Wir legen ein jährliches Wachstum von fünf bis sechs Prozent vor, weil wir in diesem Geschäft am besten und am zuverlässigsten sind. Beim Umzug handelt es sich um eine Geringdienstleistung, das heißt, es geht um einen Transport von Umzugsgut von A nach B, die Einrichtung am neuen Ort sollte genauso aussehen wie vorher, und die Fristen müssen eingehalten werden. Wenn die Möbelpacker um acht Uhr angesagt sind, dann müssen sie auch zur Stelle sein. Ein Jein gib es in unserer Branche nicht. Wer mit Zapf umzieht, kann sich auf alle Angaben verlassen. Vertrauen gegen Vertrauen heißt unsere Devise.
Die Kunden wissen das?
Ich gehe davon aus, denn sonst würden wir nicht so stark wachsen. Wir sind nicht nur führend in der Qualität und der Wirtschaftlichkeit, sondern auch bei der Innovation. Die Firma Zapf hat beispielsweise den Umzugscontainer wieder auf die Bahn gebracht. Diese Container können europaweit von uns organisiert über Nacht verschickt werden und vor Ort durch Lastkraftwagen zum Kunden gebracht werden. Der neue Schienenverkehr macht manche Leerfahrt des LKW überflüssig.
Sie sind jetzt 30 Jahre im Umzugsgeschäft tätig. Was sagt Ihre Erfahrung, wohin ziehen die Berliner, und woher kommen die neuen?
Es kommen die älteren Jahrgänge mit hervorragender Ausbildung und hohem Einkommen, es gehen die hochgebildeten jungen Familien, weil sie keine Arbeit vor Ort finden. Vorteile haben die grünen Bezirke der City West, wo es schon öfter mal 600 Quadratmeter Wohnfläche sein sollen. Dagegen wird gegen Teile von Schöneberg, Neukölln, Kreuzberg und Wedding mit dem Umzugswagen abgestimmt. Die neuen Berliner kommen von überall her. Eine bevorzugte Herkunft wie früher Schlesien gibt es nicht.
Was sind das für Menschen, die bei Ihnen arbeiten? Sind sie eher vorübergehend tätig, oder kann man als Spediteur langfristig nur mit einer Stammannschaft vorankommen?
Bis zur Wende sind wir mit 50 Prozent Jobbern gefahren. Heute sind die Mitarbeiter aber viel stärker eingebunden in das Umzugsgeschäft. Das können sie nur mit einer Stammannschaft stemmen, die ständig weitergeschult werden muß und in der Kommunikationsfähigkeit und Teamgeist nicht fehlen dürfen. Der Umzug ist heute eine regelmäßige und feste Arbeit, bei der jeder auch fest auf seinen Lohn setzen kann. Schwarzarbeit in diesem Gewerbe hat seine Tücken, denn dem Lohn müssen viele in solchen Fällen hinterherlaufen. Wir sind ein begehrter Arbeitgeber, haben täglich bis zu 20 Bewerbungen. Wir suchen immer Mitarbeiter, die nicht nur anpacken können.
Die Expansion haben Sie über Niederlassungen gesteuert, die von Mitarbeitern übernommen wurden. Sie gehören heute als Franchisenehmer zur Gruppe. Warum beteiligt der sozial engagierte Zapf sie nicht grundsätzlich an dem Unternehmen?
Wir haben die Mitarbeiter am Unternehmen beteiligt. Bis zur Wende lief das problemlos. Doch dann entstand durch das Hinzukommen von neuen Mitarbeitern aus dem Osten ein Konflikt in der Stammbelegschaft. Die Altgesellschafter haben sich auszahlen lassen, der letzte genau vor einem Jahr.
Also sind Sie wieder Alleineigentümer?
Ja. Es ist auch festgelegt, daß die Familie auf lange Sicht maßgeblich beteiligt bleibt und den finanziellen Ausbau sichert.
Private Umzüge sind in der Regel Kleinkram, gewerbliche Umzüge schon mal Großkampftage. Welcher Kunde ist Ihnen lieber?
Alle sind mir gleichviel wert. Ob es der Ein-Personen-Haushalt ist, der in Berlin immer größere Anteile hat, oder ein Großauftrag wie jetzt von der Bahn beim Einzug in ihren Bürokomplex am Nordbahnhof in Berlin-Mitte, den man nur alle zwei bis drei Jahre bekommt. Die privaten Umzüge machen etwa 88 Prozent unseres Geschäfts aus.
Umzüge rollen von Ort zu Ort, heutzutage auf Straßen, die nicht mehr unbedingt dem Stand der Zeit entsprechen. Sind die Fahrbahnen schon ein Problem für Speditionen?
Nein. In Deutschland sind die Straßen und Autobahnen immer noch als vorbildlich zu bezeichnen, nirgendwo sonst gibt es diese Qualität im Straßenbau, nirgendwo wird so viel Geld dafür bereitgestellt.
Mit der Maut soll noch mehr Geld für den Straßenbau zur Verfügung gestellt werden. Wie kommen Sie als Spediteur mit der Maut zurecht?
Wir haben das durchgerechnet und kommen für unser Unternehmen auf durchschnittlich ein bis eineinhalb Prozent höhere Kosten. Die stecken wir im Rahmen einer noch schärferen Kalkulation und einer noch besseren Auslastung der Transporte weg. Unsere Fahrzeuge sollen sich überhaupt nicht mehr leer begegnen. Wir werden uns damit im Wettbewerb noch mehr profilieren und unsere Konkurrenz in Schach halten. Privat finde ich die Maut völlig in Ordnung. Der Staat braucht mehr Geld für den Ausbau der Infrastruktur.
Das kann man sich nur leisten, wenn man viel Geld verdient. Wie lukrativ ist das Umzugsgeschäft?
Umzüge sind in den letzten Jahren für die Kunden eher billiger geworden. Wir haben dennoch mehr verdient, weil wir gewachsen sind und die Kosten im Griff behalten haben. Dies war auch eines unserer wichtigsten Unternehmensziele, um nicht zu sehr von den Banken abhängig zu sein. Als im Jahr 2000 die Internet-Blase platzte, waren wir noch zu sehr auf die Kreditinstitute bei der Unternehmensfinanzierung fixiert. Wir haben uns zusätzlich angestrengt. Seit Ende 2003 sind wir nicht mehr unbedingt auf die Banken angewiesen, brauchen, wenn es sein muß, überhaupt keinen Kredit mehr und sind dennoch stark gewachsen. Besonders negativ haben wir damals das Verhalten der größten deutschen Geschäftsbank erlebt, eine Ausnahme war die Berliner Volksbank.


