- "Die einzige Alternative wäre die Insolvenz." Aktionärsvertreter setzten ihre Hoffnung auf den seit Juli 2008 amtierenden Sälzer, fürchteten aber, dass die Maßnahmen nicht ausreichen. Kritik übten sie am Ex-Management: Selbst im vergangenen Boom sei Escada in Schieflage geraten.
Die Aktionäre stünden vor einem Scherbenhaufen, sagte Christoph Öfele von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Der Modehersteller verdreifachte zuletzt den Verlust. Die Kollektionen gelten teils als altbacken und treffen schon seit längerem nicht mehr den Geschmack der Kundinnen. "Escada ist schwer krank. Etliche Therapien haben bisher nichts oder nur wenig gebracht", sagte Verena Brendel von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und fragte: "Wäre ein Ende mit Schrecken mit der Chance eines Neuanfangs nicht besser als ein Schrecken ohne Ende?"
Finanzspritze der Tchibo-Eigner
Sälzer, der den Konzern radikal umbauen will, appellierte an Aktionäre, Gläubiger und Bank: Alle Beteiligten müssen ihren Beitrag zur Rettung leisten. "Wenn eine Gruppe nicht mitmacht, überlebt Escada nicht." Das Paket sieht eine Finanzspritze über 30 Mio. Euro vor. Davon wollen die Tchibo-Miteigner und Escada-Großaktionäre Wolfgang und Michael Herz 20 Mio. stemmen, aber nur, wenn sie ab einer Beteiligungshöhe von 30 Prozent kein Angebot an alle übrigen Aktionäre machen müssen. Diese Sonderregelung war zuletzt Medienmogul Rupert Murdoch beim Sanierungsfall Premiere durch die Finanzaufsicht eingeräumt worden.
Die Schuldenlast will der Konzern durch Umstrukturierung einer 200 Mio. Euro schweren Anleihe reduzieren. Die Gläubiger sollen auf einen signifikanten Teil ihrer Gelder verzichten und eine längere Laufzeit absegnen. Zudem verhandelt Escada mit den Banken über bestehende und neue Kredite. "Wir werden uns beeilen müssen", drängte Sälzer. Das gesamte Paket soll im Laufe des Monats Juli umgesetzt werden. Wegen des langen Vorlaufs in der Modebranche werde das Geschäftsjahr 2008/09 noch negativ ausfallen.




