Berlin - Der zukünftige Großflughafen Schönefeld soll nicht ans Fernbahnnetz der Bahn angeschlossen werden. Das hat der Fahrplanleiter für den bundesweiten Personenverkehr der Bahn, Ingulf Leuschel, mitgeteilt. Bereits nach dem Fahrplanwechsel am 28. Mai 2006 werde der bestehende Bahnhof am Flughafen nicht mehr von Fernzügen angefahren, sagte Leuschel. Derzeit halten dort täglich 17 Fernzüge, unter anderem einige ICE der Strecke München - Hamburg.
Grund für die Entscheidung der Bahn gegen den Halt am künftigen Hauptstadt-Airport BBI: Innerhalb Berlins sollen die Züge vom kommenden Mai an durch den neuen Nord-Süd-Tunnel zum Hauptbahnhof/Lehrter Bahnhof fahren. "Schönefeld liegt dann an keiner Fernbahnstrecke mehr", sagte Leuschel. Zudem sei offen, wann der Flughafen gebaut werde. Gleiches gelte für die Ausbaustrecke der Bahn in Richtung Dresden.
Ungeachtet dessen plant die Flughafengesellschaft am BBI einen unterirdischen Bahnhof von beachtlicher Größe und mit technischen Voraussetzungen für alle Zugarten von der S-Bahn bis zum ICE, wie ein Sprecher bestätigte. Welche Züge nach der geplanten Eröffnung 2011 nach Schönefeld fahren, sei völlig offen. Derart langfristige Fahrpläne gebe es nicht. Die Betreibergesellschaft müsse aber perspektivisch die Bahnanbindung für Jahrzehnte sicherstellen.
Leuschel sieht hingegen wenig Spielraum für eine Änderung des Verkehrskonzepts. Der Flughafen werde auf absehbare Zeit lediglich über die Regional- und S-Bahn sowie Shuttle-Züge an den Hauptbahnhof/Lehrter Bahnhof angebunden.
In Berlin ist die Planung der Bahn gestern auf heftige Kritik gestoßen. SPD-Verkehrsexperte Christian Gaebler sprach von einer "absurden Entscheidung". Die Bahn sei offenbar der Meinung, "weiter am Kunden vorbeifahren zu können", sagte Gaebler auch in Hinblick auf die bevorstehende Abkopplung des Bahnhofs Zoologischer Garten vom Fernbahnnetz. Spätestens nach Fertigstellung des Großflughafens müsse eine attraktive Bahnanbindung gewährleistet sein. Nötigenfalls durch einen Konkurrenten, "wenn die Bahn nicht in der Lage ist". Alexander Kaczmarek, verkehrspolitischer Sprecher der CDU im Abgeordnetenhaus, pflichtete Gaebler bei. Die Planungen zum unterirdischen Bahnhof am BBI seien nicht zuletzt auf Grundlage einer Vereinbarung aus dem Jahr 1996 zustande gekommen, in der die Bahn den Anschluß ans Fernbahnnetz zugesichert habe. Die Bahn werde nun wortbrüchig.


