Schönefeld - Die Ankündigung der Deutschen Bahn, den künftigen Großflughafen BBI in Schönefeld nicht ans Fernbahn-Netz anzuschließen, sorgt für heftige Kritik. Ingulf Leuschel, Fahrplanleiter für den bundesweiten Personenverkehr der Bahn, hatte am Donnerstag abend gesagt, bereits nach dem Fahrplanwechsel am 28. Mai 2006 werde der bestehende Bahnhof am Flughafen nicht mehr von Fernzügen angefahren. Dies werde sich auch mit dem Flughafen-Neubau nicht ändern, weil die Fernbahnlinien aus Richtung Süden nach der Verlegung in den neuen Nord-Süd-Tunnel zum Hauptbahnhof/Lehrter Bahnhof nicht mehr an Schönefeld vorbeiführen.

Jochen Brückmann, Bereichsleiter Infrastruktur bei der IHK Berlin, zeigte sich gestern überrascht. "Sollte das wirklich so kommen, wäre es ein Trauma für den jetzigen Flughafen und den BBI", sagt er. Eine Abkopplung vom Fernbahn-Netz sei "ein völlig falsches Signal". Gerade in Hinblick auf das laufende Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht zum BBI gelte es, den Flugverkehr positiv zu entwickeln. Die Erreichbarkeit des Flughafens sei dabei ein entscheidender Faktor. "Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Entscheidung der Bahn langfristig tragbar ist", sagte Brückmann. Auch Alexander Kaczmarek, verkehrspolitischer Sprecher der CDU im Abgeordnetenhaus, bezweifelte, daß die Bahn ihr Konzept auf Dauer durchsetzen kann. Leidtragende seien die Bauherren des geplanten Flughafen-Bahnhofs, der ohne ICE-Anschluß völlig überdimensioniert sei, und vor allem die Fahrgäste. Bahnchef Hartmut Mehdorn trage nach der Entscheidung zur Abkopplung des Bahnhofs Zoologischer Garten vom Fernbahn-Netz seinen Kleinkrieg mit Berlin weiter auf dem Rücken der Kunden aus. "Aber es gibt auch eine Zeit nach Mehdorn", sagte Kaczmarek.

Das umstrittene Betriebskonzept für Berlin mit der Abkopplung des Bahnhofes Zoologischer Garten verteidigte Leuschel. Der Hauptbahnhof/Lehrter Bahnhof sei immer als zentraler Fernbahnknoten geplant gewesen. "Die Kunden sollen wissen, wo sie ankommen und abfahren." Es gehe um die "Klarheit und Wahrheit des Angebots".

Die Hauptargumente der Kritiker - für viele Reisende aus der City West entstünden erhebliche Fahrzeitverlängerungen und ein zusätzlicher Halt der auf der Ost-West-Linie verbleibenden Fernzüge am Zoo koste nur vier Minuten - wies Leuschel zurück. Die Bahn stehe im Konkurrenzkampf mit der Autobahn und Billigfliegern und könne neue Kunden nur durch "signifikante Fahrzeitverkürzungen" gewinnen. Von den derzeit täglich 20 000 Fernbahnkunden am Zoo sei weit weniger als die Hälfte von weiteren Anfahrten betroffen. "Wir sehen Berlin aber als Ganzes", die "Masse der Berliner" werde vom neuen Konzept profitieren.