Der Promi-Club 90 Grad an der Schöneberger Dennewitzstraße wechselt den Besitzer. Mit der neuen Eigentümerin, Beate Wendenburg (37), sprach Morgenpost-Mitarbeiterin Tina Molin.
Berliner Morgenpost: Frau Wendenburg, Sie haben als hochbezahlte Marketingexpertin für Unternehmen wie BMW und Mercedes-Benz gearbeitet. Wieso kaufen Sie nun einen Club?
Beate Wendenburg: Ich übernehme ja nicht irgendeinen Club, sondern das 90 Grad! Eine Ikone des Nachtlebens. Während meiner Studentenzeit war das "90" mein Stammclub. Damals war es ein Szene-Treff, wo gegensätzliche Menschen zusammen gefeiert haben. Das soll es wieder werden.
Bisher gehörte der Club Nils Heiliger, wer hat zukünftig das Sagen?
Seit Mai verhandeln wir mit Heiliger und zum 1. August übernehmen wir den Club. Dann werden wir nach und nach umgestalten. Ich denke, ab September wird man dann die neue Handschrift erkennen können.
Die neuen Haupteigentümer sind Ihr Verlobter und Sie. Wird Heiliger auch Anteile behalten?
Nils behält die Rechte an der Marke "90 Grad", Anteile am Club selbst hat er aber nicht mehr. Zukünftig liegt die alleinige Entscheidungsgewalt bezüglich des Clubs bei uns. Mein Freund wird mich zwar unterstützten, selber aber nicht in Erscheinung treten. Ich werde wohl das Gesicht vom 90 Grad werden (lacht).
Heiliger hat den Club 2005 schon einmal verkauft. Damals gab es viel Ärger um den dubiosen Deal. Schlußendlich wurde der Verkauf rückgängig gemacht, und Heiliger betrieb den Club weiter. Macht diese Vorgeschichte vorsichtig?
Nein, wir haben uns die Verträge sehr genau angesehen. Gerade besprechen wir noch die letzten Details. Ich gehe davon aus, daß sich beide Partner an die Verträge halten. Nach so vielen Versuchen sollte der Verkauf endlich klappten - sonst wird es fragwürdig.
Das 90 Grad büßte deutlich an Glamour und finanzstarkem Publikum ein. Wie wollen Sie den alten Glanz wiederherstellen?
Wir wollen nicht den alten Glanz wiederherstellen, sondern etwas Neues schaffen. Durch deutlich besseren Service und neue Konzepte. Aber vor allem muß man sich wieder darauf besinnen, was das 90 Grad ist.
Und was ist das 90 Grad?
Ein Juwel, der aufpoliert werden muß. Das 90 Grad liebt man oder haßt es. Aber egal, wie man dazu steht, es hat großes Potential. Es muß wieder Begegnungsstätte werden und authentisch.
Was meinen Sie mit authentisch?
Hauptziel ist die Glaubwürdigkeit. Wir wollen nicht jeden Partymacher reinnehmen, Hauptsache, er macht uns den Laden voll. Die Events müssen zum 90 Grad passen. Wir wollen, daß die Leute wieder über das 90 Grad reden, da reichten kein Bodennebel oder "Hupfdohlen".
In letzter Zeit hat sich das Felix im Adlon zum Promi-Treff gemausert. Wie wollen Sie das 90 Grad für Stars und VIPs interessant machen?
Wir wollen uns nicht über Worte profilieren, sondern Taten sprechen lassen. Das 90 Grad stand immer für VIP und Glamour, und da soll es auch wieder hin. Wir wollen aber vor allem gut sein - vom Service über die Musik bis zur Tür. Denn wenn man gut ist, kommt der Glamour von allein.
Es wird gemunkelt, daß sie die 90-Grad-Urgesteine Dag Harbach und Britt Kanja zurückholen wollen?
Dag war lange der kreative Kopf des Clubs. Wir würden uns sehr freuen, wenn er uns beraten würde. Auch Britt war ein Teil des 90 Grad, wir hoffen, daß sie am 18. August ihren Geburtstag im 90 Grad feiert und vielleicht wieder eine Eventreihe bei uns macht.

