Als Jürgen Klopp vor der Saison gefragt wurde, wer das Überraschungsteam dieser Spielzeit werde, antwortete der Trainer des FSV Mainz selbstbewusst: "Wir." Nach dem 2:1 zum Auftakt gegen Bochum und dem 1:1 in Dortmund sah es so aus, als sei der Optimismus der Mainzer Lichtgestalt berechtigt. Doch seit vergangenem Samstag ist beim FSV Ernüchterung eingekehrt.

Nachdem sich die Mainzer bereits in der Vorwoche durch ein 0:1 bei Regionalligist 1. FC Saarbrücken vorzeitig aus dem DFB-Pokal verabschiedet hatten, verlor der selbst ernannte Karnevalsverein in Cottbus 0:2. "Ein Drecksspiel, in dem wir eine Unmenge an Fehlern gemacht haben", sagte Klopp hernach, für langjährige Beobachter war es das schlechteste Mainzer Bundesliga-Spiel überhaupt.

Tags darauf beschimpfte der Coach, der sich nach außen hin immer vor seine Spieler stellt, diese in der Kabine lautstark. Dabei war eigentlich vor Saisonbeginn klar, dass Mainz - zuvor zweimal überraschend als Elfter ins Bundesliga-Ziel gekommen - vor einem schweren Jahr stehen würde. Aktuell ist der FSV von Platz fünf auf zwölf zurückgefallenen, Samstag nun kommt Spitzenreiter Hertha BSC in das Stadion am Bruchweg (15.30 Uhr).

Mit dem unter viel Getöse nach Frankfurt gewechselten Michael Thurk (12 Tore, 7 Vorlagen), Mohamed Zidan (Werder Bremen, 9/3), Benjamin Auer (VfL Bochum 9/3) und Antonio da Silva (VfB Stuttgart, 3/12) verloren die Mainzer ihre besten Offensivspieler.

Zwar haben sie ihren Kader in der Breite verstärkt, doch ob sie noch so angriffstark wie in der vergangenen Runde sein werden, bleibt zu bezweifeln.

Wegen der flinken Neuzugänge Markus Feulner (1. FC Köln) und Du-Ri Cha (Frankfurt) will Klopp sein Team noch schneller spielen lassen. Der 39-Jährige ist wegen seiner Auftritte als ZDF-WM-Experte noch mehr zum Gesicht des FSV geworden. "Ihn kennt jetzt in Deutschland jede Oma", sagt Manager Christian Heidel über den "TV-Bundestrainer".

Heftig diskutiert wird in Mainz der geplante Bau und der Standort eines neuen Stadions, "ohne das wir nicht wettbewerbsfähig sind", so Präsident Harald Strutz. Weil in die Arena am Bruchweg nur 20 300 Fans passen und seit über einem Jahr sämtliche Vermarktungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind, sehen die Mainzer ein 35 000 Zuschauer fassendes Stadion, das Ende 2008 für 42 Millionen Euro fertig gestellt sein soll, als unabdingbare Voraussetzung für einen langfristigen Verbleib in der Bundesliga an.

"Wir können unsere Einnahmen nur mit einem neuen Stadion erhöhen", sagt Heidel, dessen Verein mit einem Etat von 27 Millionen Euro zu den finanzschwächsten Klubs der Bundesliga gehört. Zum Vergleich: Nachbar Eintracht Frankfurt verfügt über einen Haushalt von rund 50 Millionen Euro.