Eisbär vom Weihnachtsmarkt

Der Harz ist nicht weit weg von Hannover. Also, dachte sich Jens Baxmann, wäre das zweite Play-off-Spiel zwischen dem EHC Eisbären und den Scorpions in der niedersächsischen Landeshauptstadt eine gute Gelegenheit, Schwester Kathrin einzuladen.

Der Harz ist nicht weit weg von Hannover. Also, dachte sich Jens Baxmann, wäre das zweite Play-off-Spiel zwischen dem EHC Eisbären und den Scorpions in der niedersächsischen Landeshauptstadt eine gute Gelegenheit, Schwester Kathrin einzuladen. Sie wohnt in Wernigerode. Das Eintrittsticket war geordert. Doch weil sie in der Nacht zum Sonntag einen leichten Autounfall hatte, mußte sie auf die Fahrt nach Hannover verzichten.

Für Jens Baxmann wurde es dennoch ein ganz besonderes Spiel. Mit seinem ersten Play-off-Treffer zum 3:2 entschied er die Partie zugunsten der Eisbären, die heute im Sportforum mit dem dritten Erfolg ins Finale der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) einziehen können (19.30 Uhr, Premiere live). Baxmann wäre das recht. So schön die Erinnerungen an das Match von Sonntag sein mögen. "Noch mal wollen wir nicht nach Hannover", sagt der Berliner. Nach den Anstrengungen der Niedersachen im Viertelfinale, in dem sie über sieben Spiele gehen mußten, hoffen Baxmann und seine Mannschaft, daß die Scorpions "jetzt einbrechen".

Einen spürbaren Einbruch erlebte auch der 21jährige bereits in seiner noch jungen Karriere. Vor zwei Jahren, im Play-off der Saison 2003/04, sah es so aus, als würde Baxmann als erster der vielen Nachwuchsspieler einen Stammplatz beim EHC bekommen. Sicher erledigte der Verteidiger die Arbeit in der Abwehr und wurde von Trainer Pierre Pagé für seine schnörkellose Spielweise gelobt.

"Ich wußte danach immer, daß ich es kann", sagt Baxmann. Nur bekam er in der nächsten Saison kaum noch die Gelegenheit, das zu zeigen. Wegen einer Leistenoperation fiel Baxmann über acht Wochen aus. Dann bereitete er sich auf die U 20-WM vor und wurde dort zu einem der drei besten deutschen Spieler gewählt. "Aber ich war drei Monate weg, und als ich zurückkam, war kein Platz mehr für mich", erinnert er sich.

Im Play-off der Meister-Saison gab es nur noch Kurzeinsätze für Baxmann, dessen Laufbahn beim EHC auf einem Weihnachtsmarkt 2000 in Halberstadt begann. Als Attraktion wurde auf der provisorischen Eisfläche ein Spiel zwischen Schierke, woher Baxmann kommt, und den Eisbären Juniors organisiert. "Da wurde ich den Juniors empfohlen, weil ich dort versauert wäre", sagt Baxmann. Nach einem Probetraining wurde er wenig später im Team der Deutschen Nachwuchs-Liga aufgenommen.

Zuletzt suchte er lange den erneuten Anschluß an die DEL-Mannschaft. Trainer Pagé beklagte sich ab und an, daß Baxmann zwischen offensiver und defensiver Ausrichtung schwanke. Das ist Baxmann selbst aufgefallen. "Eigentlich ist es eher meine Sache, solide hinten zu stehen. Doch mit dem Alter steigen die Ansprüche. Da will man Tore schießen und Punkte machen", sagt er. Das funktionierte aber nicht so gut, obwohl ihn Pagé oft als Angreifer einsetzte.

Als Stürmer erzielte Jens Baxmann in Hannover auch sein Tor. Er hofft, daß damit der Druck auf ihn etwas geringer wird. Zuletzt hatte er sehr damit zu kämpfen. Da er zu den erfahrenen unter den Nachwuchsspielern gehört, wird er besonders kritisch beobachtet und darf sich weniger Fehler erlauben als andere. Am Sonntag immerhin gab es vom Trainer erstmals seit langem wieder uneingeschränktes Lob.