Gestern war in Berlin der zweite Verhandlungstag im Hoyzer-Prozeß. Aufmerksame Beobachter sind die Fernsehjournalisten Jan Möller und Axel Kruse (ehemaliger Bundesliga-Profi und Hertha-Kapitän), die das erste Interview mit dem Ex-Schiedsrichter führten und vor kurzem das Buch "Der Fall Hoyzer - Zocker, Schiris und Millionen" veröffentlichten. Der Morgenpost schilderten sie ihre Eindrücke.

Berliner Morgenpost: Wie ist Ihr Kontakt zu Hoyzer heute?

Jan Möller: Das enge Verhältnis von Anfang Februar gibt es schon lange nicht mehr. Ich habe gehört, daß er nicht glücklich über unser Buch ist - warum, weiß ich nicht.

Erwarten Sie neue Enthüllungen?

Axel Kruse: Die entscheidende Frage ist doch, ob die Staatsanwaltschaft überhaupt will, daß jemand noch mehr aussagt. Ich glaube, daß die angesetzten 18 Verhandlungstage nicht gebraucht werden. Es wird keine zehn Verhandlungstage geben und der Prozeß ist deutlich vor Weihnachten pünktlich zum WM-Jahr 2006 beendet.

Möller: Die erste kleine Bombe ist ja bereits am ersten Verhandlungstag am Dienstag geplatzt. Denn da hat Ante Sapina Oddset unterstellt, ein Spiel verschoben zu haben, als er selbst noch legal gewettet hat. Im Regionalliga-Spiel Dynamo Dresden gegen Werder Bremen Amateure habe der Schiedsrichter katastrophal gepfiffen und zwei klare Elfmeter nicht gegeben. Ihm ging durch diesen Spielausgang bei einer Kombiwette ein Gewinn von einer Million Euro durch die Lappen.

Sie schreiben, der DFB habe den ganzen Skandal deckeln wollen.

Kruse: Am Freitag, den 21. Januar hat der DFB Hoyzer nach Frankfurt bestellt und DFB-Präsident Theo Zwanziger sprach ja einen Tag später von angeblichen Beweisen, die man gegen ihn der Hand habe. Bloß dann schmeiße ich denjenigen doch raus, klage ihn an und gebe ihm nicht noch die Möglichkeit zurückzutreten und verpflichte ihn, aus seinem Verein auszutreten. Denn damit unterliegt er nicht mehr der DFB-Gerichtsbarkeit und der Fall ist erledigt. Ganz abgesehen von dem Fax von Oddset, das beim DFB nicht beachtet wurde.

Möller: Und auch bei der Staatsanwaltschaft hat das Ganze erst Fahrt aufgenommen, als Innenminister Otto Schily Druck gemacht hat. Letztendlich besteht die Gefahr, daß nicht alles ausermittelt wurde, da sich die Anklage fast nur auf Hoyzers Aussagen beruft.

Warum gehen Sie dann ins Gericht?

Kruse: Das ist eine spannende Geschichte, wie sich die Angeklagten untereinander verhalten. Beschuldigen sie sich gegenseitig oder halten sie den Ball flach, damit da nicht noch mehr draus entsteht?

Was hat Hoyzer verführt, mitzumachen? Was ist er für ein Typ?

Kruse: Das Geld war zwar vordergründig ein Thema. Aber bei ihm kam dazu, daß er dazugehören wollte. Früher mußte er immer allein Fußball spielen. Er hat in dieser Gruppe Anschluß gesucht.

Möller: Die Rolle des Schiedsrichters paßt überhaupt nicht zu seiner Persönlichkeit, die Rolle des Manipulators aber paßt perfekt. Er ist einfach nicht der Typ, der sich auf dem Platz zurücknimmt und nur der 23. Mann ist. Er wollte der Spielmacher im wahrsten Sinne des Wortes sein und ist erst richtig glücklich geworden, als er auf diese perverse Art mitspielen konnte. Es wäre doch viel cleverer gewesen, die Spiele allein zu verschieben, da hätte er Millionen machen können. Aber es wäre keiner da gewesen, der ihm auf die Schulter geklopft, ihn dafür gelobt hätte wie die Sapina-Brüder.

Kruse: Die mußten bei allen Beteiligten keine große Überzeugungsarbeit leisten. Hoyzer hat doch, nachdem die Manipulation beim ersten Mal nicht geklappt hat, fast um eine zweite Chance gebettelt - um zu zeigen, daß er es besser kann.

Was ist Ihr Eindruck von Hoyzer?

Kruse: Ich glaube, er ist eine gespaltene Persönlichkeit. Einerseits leidet er, andererseits genießt er den Auftritt. Mit seinem bestimmten Auftreten nach außen überspielt er doch eigentlich nur seine Minderwertigkeitskomplexe. Der ist so in sich gefangen, das ist Wahnsinn. Ich habe Mitleid mit ihm, ehrlich.

Hat er sich verändert?

Kruse: Wenn er es schaffen kann, wieder der nette, zuvorkommende, hilfsbereite Robert Hoyzer aus der Kirchenliga zu werden, der er ja mal war, und bestimmte Sachen aufarbeitet, kann er vielleicht irgendwann wieder ein normales Leben führen. Wenn er es nicht schafft und weiter stolz darauf ist, daß dieser große Prozeß mit seinem Namen verbunden ist, kriegt er Probleme.