Hoyzer schwer belastet

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"Jamaica" steht in gelben Buchstaben auf dem weißen Poloshirt des Hauptangeklagten im Prozeß um den Wett- und Manipulationsskandal im deutschen Fußball. Lässig gekleidet setzte Ante Sapina gestern sein Geständnis fort und belastete die Mitangeklagten Robert Hoyzer und Steffen Karl sowie Jens Bittermann schwer. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, in 42 Fällen gewerbsmäßigen Betrug begangen zu haben, um Wettgewinne in Millionenhöhe zu erzielen.

Zusammen mit anderen Schiedsrichtern des Bundesliga-Klubs Hertha BSC nahm Robert Hoyzer laut Aussage von Sapina Anfang 2004 "noch einen Absacker" im Berliner "Café King" und freundete sich mit Ante sowie dessen Bruder Milan, dem das Café gehörte, an. Einige Wochen später versackte Hoyzer im "King". "Er war schon ganz schön angetrunken", sagte Ante. "Wir kamen auf das Thema Wetten, und Robert sagte: "Nicht nur in anderen Ligen wird betrogen.'" Er selbst habe bereits ein Spiel der Regionalliga zwischen Chemnitz und Sachsen Leipzig verpfiffen. Für einen Sieg waren 5000 Euro, für ein Unentschieden 1000 ausgelobt worden. Den Kontakt habe sein Vater als Betreuer von Sachsen Leipzig hergestellt. Am nächsten Tag habe Hoyzer gefragt: "Und, was ist es dir wert, daß Paderborn am kommenden Wochenende gewinnt?", sagte Sapina. Für das nächste Spiel (Wuppertal-Bremen Amateure) habe sich Hoyzer ebenfalls selbst angeboten.

Mit einer Motivationsprämie hatte ein Jahr zuvor alles angefangen. Ante Sapina hatte den Spielern von Dynamo Dresden vor dem letzten Heimspiel der Saison 2002/03 gegen Münster 30 000 Euro in die Kabine gebracht, um sie für einen Sieg zu motivieren. "Es war als eine Art Urlaubsgeld gedacht", sagte er, und seine Rechnung ging auf. Dynamo gewann 3:2, die Dresdner Spieler erhielten eine Prämie, und Sapina gewann 450 000 Euro. Die Zeitschrift des Wettanbieters Oddset präsentierte ihren Lesern Ante in der nächsten Ausgabe stolz als "Berliner Spieler, der den höchsten Gewinn erzielt hat". Und der Kontakt zu Dresden kam Sapina ein Jahr später zugute. Nachdem er den Verdacht gewonnen hatte, daß in der türkischen SüperLig nicht alles mit rechten Dingen zugehe, beschäftigte er sich mit der Manipulation in der Regionalliga Nord.

Am 10. April 2004 war es soweit. "Man kann es ja mal versuchen, mehr als nein sagen können die Spieler ja nicht", erklärt Sapina das Motto, mit dem er ans Werk ging. Für das Spiel Chemnitz gegen Dresden suchte er über den verletzten Dresdener Spieler Bittermann Kontakt zu Spielern, die ihm bei seinem Wunsch nach Manipulation halfen. Steffen Karl, ehemals Borussia Dortmund und Hertha BSC, zeigte sich als einziger sofort bereit. Später kamen weitere Spieler dazu. Zum Beispiel drei Akteure von Sachsen Leipzig: "Kujat war Stürmer, Thielemann Verteidiger und Eckstein Torwart", schildert Ante eine Begegnung der Leipziger gegen Dresden am 9. Mai 2004. Dresden sollte gewinnen. "Beim Stand von 0:0 verschoß Kujat einen Elfmeter, Thielemann verursachte einen Strafstoß für Dresden, der zum 1:0 führte, kurz vor Schluß spielte Eckstein den Ball mit der Hand und erhielt eine Rote Karte."

Hoyzer habe auch, so Sapina weiter, den Kontakt zu Dominik Marks (Stendal) vor dem Regionalliga-Spiel zwischen den Hertha Amateuren und Arminia Bielefeld in am 11. August (2:1) hergestellt. Am 20. Juni habe man sich getroffen. Marks habe sich grundsätzlich zu Spielbeeinflussungen bereit erklärt, so Sapina.

Seine Reue demonstrierte Sapina auf eigenwillige Weise. Der von ihm bar bezahlte und danach verschwundene Porsche tauchte gestern im Parkhaus des Kriminalgerichts wieder auf. Sapina: "Ich möchte bekanntgeben, daß der Porsche, den ich einen Tag fahren durfte, wieder da ist. Ich möchte mit der Sache abschließen."