DFB annulliert Hertha-Spiel

Die Hoffnung des Deutschen Fußball-Bundes, daß der ehemalige Schiedsrichter Robert Hoyzer ein bedauerlicher Einzelfall im Wett-Skandal sei, ist gestern endgültig erschüttert worden. Auch von der Schuld des Dominik Marks (29) aus Stendal ist das Sportgericht des DFB überzeugt, das seinen Fall in Abwesenheit des Beschuldigten beriet. Ergebnis: Das Regionalliga-Spiel Hertha BSC Amateure gegen Arminia Bielefeld Amateure vom 11. August 2004 (2:1) wird wiederholt. Rainer Koch, der Vorsitzende Richter, sagte danach: "Es gibt überhaupt keinen Zweifel daran, daß es Spielmanipulationsabreden zwischen Herrn Hoyzer, Herrn Marks und Ante S. (mutmaßliches Mitglied der Wett-Mafia - d.R.) gegeben hat. Herr Hoyzer hat sich selbst belastet und ist deshalb glaubwürdig. Hier haben viele Mosaiksteinchen zusammengepaßt."

Anders entschied das DFB-Gericht im Fall der Bundesliga-Partie des SC Freiburg gegen den 1. FC Kaiserslautern (0: 3). Hier schenkte Koch den Anschuldigungen von "Kronzeuge" Hoyzer gegen Schiedsrichter Jürgen Jansen (Essen) keinen Glauben, die Wertung der Partie bleibt bestehen.

Hoyzer hatte Unregelmäßigkeiten bei dieser Partie angedeutet, ohne genaue Beweise anführen zu können. Er hatte seinen früheren Kollegen beschuldigt, daraufhin hatte die Berliner Staatsanwaltschaft Anfang Februar Jansens Wohnung durchsuchen lassen. Jansen zeigte sich gestern abend erleichtert: "Ich bin unschuldig, das habe ich immer gesagt. Ich möchte sobald wie möglich wieder pfeifen. Ich bin Schiedsrichter mit Leib und Seele. Sobald die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft eingestellt sind, werde ich vom DFB rehabilitiert werden."

Schwere Zeiten kommen hingegen auf Dominik Marks zu. Er beteuerte zwar gestern schriftlich über seine Anwältin Astrid Koch seine Unschuld. Doch der Sportgerichts-Vorsitzende Koch hatte aus der Hoyzer-Aussage vor dem DFB zitiert: "Ich kann das Mitmachen von Dominik Marks selbst bezeugen." Hoyzer erläuterte zudem in seinen Vernehmungsprotokollen vor der Berliner Staatsanwaltschaft, daß Marks über ihn letztlich 6000 Euro für die Partie bekommen habe - übergeben in der Küche von Marks. 7000 Euro wären es gewesen, wenn die von Hoyzer geleitete Partie VfL Wolfsburg Amateure-Fortuna Düsseldorf (1:1), auf die in Kombination gewettet worden war, wie gewünscht ausgegangen wäre. Marks bestritt alle Vorwürfe: "Sollte Hoyzer mich des Zusammenwirkens bezichtigen, dann lügt er."

Unstrittig ist, daß die Leistung von Marks in der fraglichen Partie extrem schwach war. So erkannte Marks ein klares Tor der Gäste nicht an, schenkte Hertha einen Elfmeter und stellte ohne ersichtlichen Grund den Bielefelder Camara mit Rot vom Platz. Wegen dieser Vorwürfe hatte der DFB Marks bereits am 15. Februar mit einer Vorsperre belegt. Laut Hoyzer habe Marks unter Geldnot gelitten und deshalb die Partie verschoben. Dafür soll Marks 6000 Euro von der kroatischen Wett-Mafia kassiert haben.

Daß Marks Geldnöte hatte, ergaben auch die Ermittlungen des Rechtsanwalts Christoph Schickhardt, der im Auftrag des Karlsruher SC arbeitet. Der KSC soll am 8. Dezember beim 0:3 gegen Duisburg unter Marks' Manipulationen gelitten haben. Schickhardt setzte zwei Privatdetektive an und will erfahren haben, daß Marks Steuerschulden hatte - er soll seine Schiedsrichter-Einsätze nicht richtig versteuert haben. Für den MSV-Sieg, der gestern nicht verhandelt wurde, soll er 30 000 Euro erhalten haben.

Wenig erbaut über das DFB-Urteil war Karsten Heine, Trainer der Hertha-Amateure: "Ich kann diese Entscheidung nicht nachvollziehen. Herr Marks hat dem DFB schriftlich versichert, er habe nichts manipuliert - und dann wird das Spiel annulliert? Das ist mir absolut unverständlich."