Am Anfang kam es knüppeldick. Und Dick van Burik dürften leise Zweifel an seiner Entscheidung gekommen sein. Zum Bundesliga-Aufsteiger Hertha BSC war der Niederländer im Sommer 1997 gewechselt. Manager Dieter Hoeneß und der damalige Trainer Jürgen Röber hatten zuvor mit Engelszungen auf den Profi des FC Utrecht eingeredet. Denn der war skeptisch geworden, nachdem er das 0:2 der Berliner gegen Uerdingen am letzten Zweitliga-Spieltag gesehen hatte.
Van Buriks Befürchtungen schienen sich zu bestätigen. Hinzu kam sein Verletzungspech. Erst in Saisonrunde fünf gab der Abwehrmann sein Bundesliga-Debüt - als Einwechselspieler beim 0:2 gegen den Hamburger SV. Eine Woche später, am 13. September 1997, stand der Neue erstmals in der Startelf. Ausgerechnet im Münchner Olympiastadion gegen den FC Bayern. Auch dort verlor Hertha mit 0:3, genauso wie danach in Rostock mit 0:4. Schlimmer hätte der Einstieg für den Niederländer kaum sein können. Doch was zu Beginn nicht zu passen schien, entpuppte sich als eine der besten Verpflichtungen des Hauptstadt-Klubs seit der Rückkehr in die Bundesliga. Vom Ungarn Pal Dardai abgesehen, der ein halbes Jahr früher nach Berlin gekommen war, blieb kein Zugang so lange bei Hertha wie van Burik. Der Vertrag des heute 31jährigen läuft bis 2006.
Als einziger Feldspieler aus dem Saison-Team 1997/98 gehört der Routinier nach wie vor zur ersten Wahl, hat sich seinen Stammplatz in diesem Jahr zurückerobert und den fast neun Jahre jüngeren Teamkollegen Alexander Madlung ins zweite Glied verdrängt. Auch für das Heimspiel am Sonntag (17.30 Uhr, Olympiastadion) gegen den 1. FC Kaiserslautern ist van Burik gesetzt. "Dick ist als Führungsspieler anerkannt und ein ganz wichtiger Mann für mich", sagt Trainer Falko Götz und lobt den Ex-Kapitän: "Er spielt eine stabile Saison und rechtfertigt in jedem Spiel seine Aufstellung. Eine große Rolle spielt dabei, daß er fit ist und voll trainieren kann."
Das war in den vergangenen Jahren häufig nicht der Fall. Seine verletzungsanfällige Muskulatur zwang den Profi immer wieder zu Pausen und war der Hauptgrund dafür, daß van Burik von den 261 möglichen Erstliga-Einsätzen seit 1997 insgesamt 78 verpaßte. Sein größter sportlicher Wunsch blieb vielleicht auch deshalb unerfüllt: ein Länderspiel im Oranje-Trikot.
In diesem Jahr läuft es besser, war der Holländer bislang in allen Rückrunden-Spielen beim Anpfiff dabei. "Wir haben das Problem ganz gut in den Griff bekommen", sagt er. "Es ist für mich ein angenehmes Gefühl, mal über einen längeren Zeitraum fit zu sein. Dadurch bekommt man Sicherheit und Konstanz in den Leistungen."
Die gefiel dem Innenverteidiger allerdings trotz des 4:1-Sieges über den HSV am vergangenen Spieltag nicht. "Ich bin noch immer der Meinung, daß dies unser schlechtestes Saisonspiel war", meint van Burik. "Wir haben viel zu viele Chancen zugelassen, ständig stand ein Gegenspieler frei. Uns fehlte die Kompaktheit, die uns in dieser Saison stark gemacht hat. Normalerweise steht die gesamte Mannschaft sehr gut. Da müssen wir gegen Kaiserslautern wieder hinkommen. Das HSV-Spiel muß eine Ausnahme bleiben, wenn wir uns weiter nach oben orientieren wollen."
Mit 20 Gegentoren ist Herthas Defensive nach 23 Spielen die beste der Liga und "die Basis dafür, daß wir bis zum Ende eine erfolgreiche Saison spielen können" (Götz). Die soll zurück nach Europa führen. Dorthin, wo van Burik mit Hertha von 1999 an fünf Jahre in Folge spielte. Mit einem Dreier gegen Kaiserslautern würde der Liga-Vierte seine gute Position festigen. Stürmer Nando Rafael ist nach auskurierter Oberschenkelzerrung am Sonntag wieder einsatzbereit.

