Volker Roth ist der Vorsitzende des DFB-Schiedsrichter-Ausschusses. Mit ihm sprach der Sportinformationsdienst über Werteverfall, "schwarze Schafe" und internationalen Vertrauensverlust bei der deutschen Schiedsrichter-Gilde.
Herr Roth, Sie sind Chef der deutschen Schiedsrichter. Wie tief hat Sie der Fall Hoyzer persönlich betroffen?
Volker Roth: Ich bin erschüttert, daß all meine Werte, für die ich mein Leben lang eingestanden bin, durch einen 25jährigen über den Haufen geworfen werden konnten.
Ist Hoyzer ein Einzelfall oder gibt es andere "schwarze Schafe"?
Ich gehe von der Unschuldsvermutung aus, aber wem kann ich heute noch glauben? Hoyzer hat ja auch zunächst alles bestritten. Ich weiß nicht mehr, was ich glauben soll.
Hat dieser Skandal Auswirkungen auf das Ansehen in Europa?
Ich denke nicht. Ich war am Wochenende auf einer internationalen Schiedsrichtertagung in Nizza, und dort wurde mir das Vertrauen ausgesprochen, daß wir dieses Problem in den Griff kriegen. Unsere "Internationalen" brauchen sich keine Sorgen zu machen. Das Vertrauen ist weiter da.
Wären Profi-Schiedsrichter, Fernsehbeweise und Ober-Schiedsrichter aus Ihrer Sicht ein probates Mittel gegen Schiebung?
Ach wissen Sie: Gegen kriminelle Machenschaften ist man nie gefeit.
Sind die Schiedsrichter zu jung, ist die Altersgrenze zu niedrig?
Diese Diskussion hat zwei Seiten. Auf der einen Seite brauchen Sie Nachwuchs, auf der anderen eine Altersbeschränkung, damit jene im "Mittelalter" eine internationale Perspektive haben. Was passiert ist, ist keine Frage des Alters. Es ist eine Frage der Anfälligkeit. Da müssen wir genauer hinschauen.
Noch einmal: Ist der Altersdurchschnitt zu niedrig?
Definitiv nein. Der Alterdurchschnitt bei unseren Spitzen-Schiedsrichtern liegt bei 35,4 Jahren. Sie müssen doch jedem jungen Talent die Möglichkeit geben, ein neuer Markus Merk zu werden.

