Carsten Kerner war gestern Nachmittag wie meistens in den vergangenen Jahren für seinen Arbeitgeber Alba Berlin unterwegs. Der Manager sprach gemeinsam mit Alba-Geschäftsführer Robert Mayer und Vertretern des Berliner Verbandes (BBV) über die Berlin Basketball Trophy vom 8. bis 10. Oktober in der Max-Schmeling-Halle. Ungefähr zur gleichen Zeit, zu der die Unterhaltung begann, erreichte eine karge Pressemitteilung des siebenmaligen deutschen Meisters die Redaktionsstuben. Inhalt: "Carsten Kerner wird bei Alba Berlin in seiner Funktion als Manager des Vereins zum 30. September 2004 ausscheiden." Also eine gute Woche vor der Trophy.
Die Trennung kommt so kurz vor dem Bundesliga-Saisonstart am 22. Oktober gegen Oldenburg für viele überraschend. Nicht für Kerner: "Die Gespräche darüber liefen seit längerem", sagte er gestern, "ich habe das sechs Jahre gemacht und möchte meiner Karriere eine neue Richtung geben." Der 36-Jährige sucht eine neue Herausforderung "im Sportbereich. Was genau, wird sich in den nächsten Monaten klären." Kerner ist nach wie vor BBV-Präsidiumsmitglied und Aufsichtsratsvorsitzender der Berlin Basketball Akademie.
Alba-Präsident Dieter Hauert sagte, er habe "im Prinzip nie etwas auszusetzen gehabt an Carsten Kerner". Allerdings sei Vizepräsident Marco Baldi "immer mehr in die Rolle des General Managers hineingewachsen", da habe sich die Frage gestellt: "Wozu brauche ich zwei?" Bei so einer Entscheidung spiele es immer eine Rolle, dass auf beiden Seiten nicht die ganz große Zufriedenheit geherrscht habe. Andererseits lässt Hauert durchklingen, dass der Verein nach der so enttäuschend verlaufenen vergangenen Saison auch auf dieser Ebene neue Wege gehen will: "Ich hoffe, dass diese Trennung auch wieder etwas mehr Frieden reinbringt." Zuvor hatten sieben Spieler Alba verlassen, sechs neue waren verpflichtet worden.
Noch eine Veränderung wird es geben vor Saisonbeginn. Der Alba-Präsident kündigte an, dass bis Montag die neu geschaffene Position des Team Managers besetzt wird. Er solle sich ausschließlich um die Mannschaft kümmern, ein Bindeglied darstellen zwischen Team und Trainer-Crew. Wie es heißt, ist die Entscheidung über die Personalie schon gefallen, und es soll sich um einen ehemaligen Spieler handeln. "Das wird eine richtige Überraschung", freut sich Hauert. Bei solch großer Vorfreude steigt die Lust an der Spekulation. Henning Harnisch hat bereits einmal Interesse bekundet, eine Funktion im Verein zu übernehmen. Das hatte in Wendell Alexis auch ein anderer Publikumsliebling getan, der Alba Berlin 2002 allerdings mit einiger Verbitterung verlassen hatte.

