Abwehrspieler Michael Sziedat: Der Rekordsportler besitzt Friseursalons

Der Donnerstag ist sein Lieblingstag. Michael Sziedat setzt sich dann in seinen Smart und fährt durch Zehlendorf.

Der Donnerstag ist sein Lieblingstag. Michael Sziedat setzt sich dann in seinen Smart und fährt durch Zehlendorf. Gemeinsam mit seiner Frau betreibt er dort die Friseurgeschäfte "Salon Hairteam Nadja", donnerstags bietet er als Service für weniger mobile Kunden einen Abholservice an.

Insbesondere ältere Damen wissen diesen Dienst zu schätzen - die Wertschätzung beruht auf Gegenseitigkeit. Denn vielfach sind es gerade reifere Frauen, die für Sziedat kompetente Gesprächspartner abgeben. Mit ihnen kann er sich über die alten Zeiten unterhalten und darüber, wie es war, als er im Trikot von Hertha BSC große Erfolge feierte. "Erstaunlich gut wissen die Damen Bescheid", sagt Sziedat. "Manchmal erinnere ich mich erst durch ihre Erzählungen an bestimmte Ereignisse."

Zweimal (1977, 1979) stand er mit Hertha im Pokalfinale, in der Bundesliga ist der zweite Platz von 1975 die bis heute beste Platzierung. 1979 erreichte Sziedat mit Hertha das Halbfinale des Uefa-Pokals gegen Roter Stern Belgrad. Erfolge, auf die Sziedat "doch mit einigem Stolz" zurückblickt.

In der Hertha-Ahnengalerie hat er seinen Platz sicher. Sziedat ist mit 280 Erstligaeinsätzen Herthas Rekordspieler. Eine Bestmarke, die für ihn ohne sonderliche Bedeutung ist: "Ehrlich, das ist für mich nicht wichtig." Immerhin aber achtet er darauf, welche der aktiven Spieler ihn demnächst einholen könnten. Pal Dardai hat 220 Spiele auf seinem Konto, Dick van Burik noch 25 mehr. "Wenn es einer von ihnen schafft, dann sei ihm das herzlich gegönnt. An dem Rekord hänge ich nicht." Der Weg ist allerdings noch weit.

Sziedat spielte neun Jahre für Hertha in der Bundesliga, im Nachhinein hält er das für zu lange. "Ich hätte schon früher nach Frankfurt gehen sollen", sagt er, "dort hatten wir eine sehr gute Mannschaft mit ungeheurem Potenzial." Von 1980 bis 1984 kickte er für Eintracht Frankfurt, gemeinsam mit gestandenen Spielern wie Thomas Berthold, Charly Körbel und Cha Bum-kun. Den legendären Branko Zebec hat er als Trainer erlebt. "Wunderbar war das damals", sagt Sziedat und blickt auf diese Zeit noch immer gern zurück: "Abends im Rheingau sitzen und ein Glas Wein trinken, das hatte schon was."

Mit Lichterfelde in der Tennis-Regionalliga

Heute sitzt er nach getaner Arbeit gern in einem kroatischen Restaurant am Teltower Damm in Zehlendorf und gönnt sich ein Feierabendbierchen. Doch kommt er dazu viel zu selten.

Sziedat ist ein viel beschäftigter Mann. Auch wenn er nicht selbst zur Schere greift - die Arbeit für die Friseursalons ist zeitaufwendig. Zudem spielt Sziedat für die Hertha-Traditionsmannschaft. Damit sind seine sportlichen Aktivitäten allerdings noch nicht erschöpft. Sziedat spielt sehr erfolgreich Tennis. Mit dem TL Lichterfelde hat er sich in der Regionalliga etabliert. So viel Zeit wie möglich versucht er auch mit seiner Tochter zu verbringen. Franziska (7) hat die Leidenschaft für den Fußball geerbt. Sie ist schon jetzt glühender Hertha-Fan, mit ihr sieht man Michael Sziedat regelmäßig bei den Heimspielen im Olympiastadion sitzen.

Seine alte Liebe Hertha hat den heute 54-Jährigen nie losgelassen. Deswegen ist er nach seiner Zeit in Frankfurt zum Ende der Laufbahn 1984 noch einmal nach Berlin gegangen. In die Zweite Liga, für 18 Spiele.

Eine große Karriere endete im April 1984 unspektakulär: mit 0:3 bei Wattenscheid 09. "An dieses Spiel erinnere ich mich gar nicht mehr", sagt Sziedat. Die letzten Monate mit Hertha waren für ihn nach all den erfolgreichen Jahren eine einzige Enttäuschung: "Wir sind mit großen Erwartungen in die Saison gegangen."

Wo es letztlich geendet hat, hat er inzwischen verdrängt. "Es war aber viel zu wenig." Es war der 14. Platz. Für Sziedat war nach dieser Enttäuschung der Zeitpunkt gekommen, die Fußballschuhe in die Ecke zu stellen.

Morgen: Ein Mittelfeldspieler aus Franken, der bei Hertha zum Idol wurde.