Berlin - Als die damals 16jährige Christiane F. in einem Prozeß als Zeugin aussagte, wurden zwei Reporter der Illustrierten "Stern", Kai Hermann und Horst Rieck, auf die Geschichte des jungen Mädchens aufmerksam. Ursprünglich wollten ihr die beiden Journalisten lediglich einige Fragen zur Berliner Drogenszene stellen. Doch aus dem für einige Stunden angesetzten Gespräch wurden letztendlich viele Treffen über mehrere Monate. Im Jahr 1978 wurden die Ergebnisse der Interviews unter dem Titel "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" veröffentlicht.

Der schonungslose Erfahrungsbericht aus dem Berliner Drogenmilieu wurde innerhalb kürzester Zeit zu einem Bestseller. Nie zuvor war die Aufmerksamkeit der deutschen Öffentlichkeit so schonungslos auf das Elend und die Verwahrlosung in der Drogenszene gelenkt worden, auf den Teufelskreis von Sucht und Beschaffungskriminalität, der das Leben der oft noch minderjährigen Abhängigen beherrschte.

In dem Buch schildert die Autorin unter dem Pseudonym Christiane F. ihre von Gewalt geprägte Kindheit in den Wohnblöcken der Berliner Gropiusstadt und die Gleichgültigkeit der Erwachsenen ihrer Situation gegenüber. Fassungslosigkeit riefen ihre Schilderungen des "Babystrichs" am Bahnhof Zoo hervor, auf dem sich Christiane F. bereits im Alter von 14 Jahren prostituierte, um ihre schwere Heroinsucht finanzieren zu können.

Im Jahr 1981 wurde das Buch von Regisseur Uli Edel mit Nadja Brunckhorst in der Hauptrolle verfilmt. Gedreht wurde teilweise an Originalschauplätzen, unter anderem auch der Diskothek Sound, die durch den Film weltweit Berühmtheit erlangte. Das Sound, das in den 70er und 80er Jahren als "modernste Diskothek Europas" galt, vor allem jedoch als Umschlagplatz für harte und weiche Drogen bekannt war, brannte im Jahr 1988 vollständig aus.

Nach 15 Entzügen, Jahren in Griechenland und den USA, wo sie unter anderem mit der experimentellen Band "Einstürzende Neubauten" tourte, lebt Christiane F. heute in einem Dorf in Brandenburg und hat einen neunjährigen Sohn. Kai Herrmann, einer der beiden Journalisten die an der Entstehung von "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" beteiligt waren, spielte mit dem Gedanken, eine Fortsetzung des Buches zu schreiben, überlegte es sich aber schließlich doch anders.

roh