Vergebliche Suche nach Mördern von russischem Chefredakteur

Die Moskauer Ermittler sind in dem spektakulären Mordfall Paul Klebnikov, Chefredakteur der russischen Ausgabe des Wirtschaftsmagazins "Forbes", wieder bei null angekommen.

Moskau - Die Moskauer Ermittler sind in dem spektakulären Mordfall Paul Klebnikov, Chefredakteur der russischen Ausgabe des Wirtschaftsmagazins "Forbes", wieder bei null angekommen. Die Angeklagten waren überraschend freigesprochen worden. Die zwölf Geschworenen, die sich am Freitag zehn Stunden zu einer Urteilsfindung zurückgezogen hatten, sahen es im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft nicht als erwiesen an, daß die beiden Angeklagten, die Tschetschenen Kasbek Dukusow und Mucha Wachajew, den amerikanischen Journalisten erschossen haben. Klebnikov hatte sich mit Enthüllungen auch in der Unterwelt unbeliebt gemacht.

Mindestens zwei Unbekannte hatten Klebnikov am Abend des 9. Juli 2004 vor dem Redaktionsgebäude in Moskau gestellt und ihn mit vier Pistolenschüssen niedergestreckt. Klebnikov (41) erlag seinen Schußverletzungen auf dem Weg in den OP-Saal im defekten Lift eines Moskauer Krankenhauses. Die Staatsanwaltschaft konzentrierte sich schnell auf die sogenannte tschetschenische Spur. Klebnikov, so die Version, sei von Auftragskillern aus der Kaukasusrepublik erschossen worden - aus Rache für ein Buch über den tschetschenischen Feldkommandeur Hodsch-Achmed Nuchajew.

Nuchajew war der Titelheld des Buchs "Gespräche mit einem Barbaren", das Klebnikov 2003 veröffentlichte. Klebnikov hatte sich in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku mit Nuchajew mehrfach getroffen und ihn als Finanzier und Ideologen einer radikalislamischen tschetschenischen Bewegung porträtiert. Nuchajew soll daraufhin Klebnikov aus Rache "bestellt" haben. Von dem angeblichen Auftraggeber fehlt jede Spur. Der Freispruch ist vor allem eine schwere Niederlage für die Ermittlungsbehörden des Inlandsgeheimdienstes FSB und der Generalstaatsanwaltschaft, die mit dem Fall Klebnikov betraut waren.

Klebnikov hinterließ Frau und drei kleine Kinder. Der US-Bürger Klebnikov, dessen Vorfahren aus Rußland in die USA emigriert waren, war der Gründungschefredakteur der russischen Ausgabe von "Forbes". "Forbes Russia" wird seit April 2004 in Lizenz von Axel Springer Russia, einer Tochter der Axel Springer AG verlegt, zu der auch die Morgenpost gehört. Der Mord hatte die Frage aufgeworfen, wie sicher Journalisten in Rußland arbeiten können.