Ramallah - Mahmud Abbas hat die palästinensische Präsidentschaftswahl nach offiziellen Angaben mit großer Mehrheit gewonnen. Der Chef der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) kam bei dem Votum am Sonntag auf 62,32 Prozent der Stimmen, wie die Wahlkommission am Montag mitteilte. Der unabhängige Kandidat Mustafa Barguti, Abbas' stärkster Konkurrent, kam demnach auf 19,8 Prozent. Die übrigen fünf Kandidaten kamen nicht über niedrige einstellige Ergebnisse hinaus. Die Nachwahl-Umfragen hatten für Abbas 66,3 Prozent prognostiziert. Die Wahlbeteiligung lag bei etwa drei Viertel der wahlberechtigten Palästinenser.
Die Wahl von Abbas hat in Nahost die Hoffnung auf neue Impulse für den Friedensprozeß genährt. Der israelische Regierungschef Ariel Scharon forderte Abbas zum Kampf gegen den "Terrorismus" auf. Dessen Vize Schimon Peres würdigte die Wahl als "Beginn eines neuen Prozesses". Auch international wurde die Wahl als demokratisch und positives Signal bewertet. US-Präsident George W. Bush sprach von einem "historischen Tag" und zeigte sich durch den Wahlablauf "ermutigt".
Die radikalen Palästinenserorganisationen Hamas und Islamischer Dschihad hatten im Vorfeld zum Boykott der Wahlen aufgerufen. Ein Hamas-Sprecher betonte jedoch, seine Organisation werde mit dem "gewählten Präsidenten" zusammenarbeiten.
Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) haben den Wahlausgang als Hoffnungssignal für den Nahost-Friedensprozeß begrüßt. Die Wahl markiere "einen historischen Moment" und sei ein "eindrucksvoller Beweis" für die weitere demokratische Entwicklung in den palästinensischen Gebieten, schrieb Köhler an Abbas. BM

