Vita: Ulrich Eckhardt

Dirigieren war immer sein Herzenswunsch. Erst sollte es ein Orchester sein, sogar bei Herbert von Karajan höchstselbst hat er einst schon geübt. Doch statt ein Maestro am Pult wurde Ulrich Eckhardt Dirigent des Kulturlebens einer ganzen Stadt. Fast 30 Jahre lang, von 1973 bis Ende 2000, bestimmte der Jurist und Musikwissenschaftler als Intendant der Berliner Festspiele maßgeblich Kunst und Kultur erst in der Halbstadt West-Berlin, dann in der wieder vereinigten ganzen Hauptstadt. Ein Kulturmanager von höchsten diplomatischen Graden, dessen Erfolgsgeheimnis Claus Peymann einmal so beschrieb: "Er geht freundlich auf Menschern zu, und er achtet die Künstler, weil er sie liebt."

Und so strahlten die Festspiele unter seiner Leitung bald in ganz neuem Glanz. Er war verantwortlich für die Internationalen Filmfestspiele, die Musik-Biennale, das Theatertreffen, das Theatertreffen der Jugend, die Berliner Festwochen, das Jazzfest Berlin, das Treffen junge Musikszene, das Treffen junger Autoren. Er organisierte 1987 die 750-Jahr-Feier im West-Teil der Stadt, koordinierte die Veranstaltungen zum 50. Jahrestag des Kriegsendes und bewahrte schließlich auch noch die hauptstädtischen Aktivitäten zum Jahrtausendwechsel vor einer Provinzposse. Als sei all das nicht genug, gehen große Ausstellungen wie die über Preußen (1981) "Berlin, Berlin" (1987) und - am Ende seiner Ära - "Sieben Hügel" auf seine Anregung zurück. Und als hätte der Tag mehr als 24 Stunden, sitzt der passionierte Radfahrer noch in diversen Juroren-Runden. Auch in der, die über den Friedrich-Luft-Preis der Berliner Morgenpost entscheidet.

Berlin, so hieß es lange nicht ganz unernst in der Stadt, brauche eigentlich gar keinen Kultursenator, der Beste sei ohnehin Ulrich Eckhardt. Elf Senatoren hat er denn auch ertragen. Die ganze Kulturbehörde hielt er ohnehin für mehr oder weniger überflüssig. Einen Macher, Strippenzieher und Diplomat mit bestem Entree, einen Kunstenthusiasten mit dem Mut zum Experiment einerseits, zum Populären andererseits: Ulrich Eckhardt - Berlin ginge es besser, wenn die Stadt wieder mehr davon hätte.

Auch dieser Zeremonienmeister ist ein Zugereister. Geboren am 28. Mai 1934 in Rheine/Westfalen (die nächste große Feier steht bevor), machte er sich nach dem Studium als Kulturreferent der Stadt Bonn fit für höhere Aufgaben. Die boten sich an, als 1972 die Berliner Festspiele neu organisiert wurden und der bisherige Intendant Walther Schmieding aus Protest dagegen seinen Vertrag nicht verlängerte. So kam Ulrich Eckhardt in die Stadt, die längst zu der seinen geworden ist. In Zehlendorf hat er sich in den siebziger Jahren, als Häuser noch vergleichsweise billig waren, eine alte Villa mit großem, denkmalgeschützten Garten gekauft, in dem er hin und wieder auch Zeit findet, mit den Enkelkindern zu spielen. Denn rastlos ist auch der Pensionär geblieben. Sein Rat ist in zahlreichen Gremien gefragt, er schreibt Aufsätze und Bücher, lehrt als Honorarprofessor und ehrt weiter die Kunst. Nun vor allem als Genießer dessen, was seine Nachfolger anrichten.