Berlin - Ernst Uhrlau profilierte sich in den 90er-Jahren in Hamburg als Verfassungsschützer und Polizeipräsident. Oftmals wurde der selbstbewusste Diplom-Politologe mit seinen politischen Äußerungen in der Öffentlichkeit mehr wahrgenommen als der Innensenator der Hansestadt. Der 61-Jährige wurde wegen seiner Kompetenz auch von den Kritikern ernst genommen.

Uhrlau ist ein Mann vom Fach: Landespolizeischule, Büroleiter des Hamburger Innensenators, Leiter des Landesamtes für Verfassungsschutz, nach der Wende Berater beim Aufbau des Verfassungsschutzes in Brandenburg, dann 1996 Polizeipräsident in Hamburg.

1998 holte ihn Gerhard Schröder ins Berliner Kanzleramt. Der gebürtige Hamburger wechselte aus den öffentlichkeitswirksamen Ämtern in die Diskretion eines Geheimdienstkoordinators. Fortan steuerte er lautlos und im Hintergrund die drei Nachrichtendienste - BND, Verfassungsschutz und Militärischen Abschirmdienst.

Hohe Anerkennung erwarb sich Uhrlau, als er auf Wunsch der Israelis zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz vermittelte und den Austausch von gefangenen und gefallenen Soldaten in die Wege leitete. Nach dem Regierungswechsel 2005 verließ Uhrlau das Kanzleramt und übernahm den Chefsessel beim BND. Dem erfahrenen Behördenleiter wurde zugetraut, die bereits vor ihm begonnene Reform des BND und vor allem den Umzug von Pullach bei München nach Berlin zu bewerkstelligen.

Das Amt des Geheimdienstkoordinators im Kanzleramt wurde 1976 von Helmut Schmidt geschaffen, der allerdings selbst nie viel von der Arbeit der "Schlapphüte" hielt. Die wüssten auch nicht mehr, als in der Zeitung steht, meinte der Ex-Kanzler einmal. Für Uhrlau ist die Entscheidung der Regierung, den BND-Sitz nach Berlin zu verlegen, aber ein klarer Hinweis dafür, dass sich an dieser eher abfälligen Einschätzung inzwischen einiges geändert hat - vor allem auch angesichts des gewachsenen internationalen Gewichts Deutschlands.

Der Liebhaber von Musik, Literatur und italienischer Küche entspricht nicht so recht dem klassischen Bild des Geheimdienst-Dunkelmanns. Uhrlau sieht Nachrichtendienste vor allem als "Frühwarnsysteme der wehrhaften Demokratie". Von James-Bond-Etiketten wollte er nie etwas wissen. Und weder als Verfassungsschützer und Polizeipräsident noch als Geheimdienstler schrie er nach schärferen Sicherheitsgesetzen.

dpa