Deutsche wollen Günther Jauch als Bundeskanzler

Berlin - Günther Jauch könnte zum Arnold Schwarzenegger Deutschlands avancieren. Fast jeder zweite Deutsche (49 Prozent) könnte sich den Fernsehmoderator in einem wichtigen politischen Amt vorstellen, etwa als Bundeskanzler oder als Bundespräsident. Das hat eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid exklusiv für die Berliner Morgenpost ergeben. Befragt wurden 1009 Deutsche. Auf Platz zwei landet Sabine Christiansen (42 Prozent), gefolgt von Franz Beckenbauer (16 Prozent) und Thomas Gottschalk (15 Prozent). Weit abgeschlagen als Schlusslicht findet sich Musikproduzent Dieter Bohlen. Nur vier Prozent der Deutschen halten den "Pop-Titanen" für ein Amt geeignet.

Im Osten der Republik schneidet Günther Jauch noch besser ab. In den neuen Bundesländern favorisieren den Wahl-Potsdamer 59 Prozent der Befragten für ein hohes Amt; im Westen sind es 47 Prozent. Darüber hinaus kann sich der vierfache Familienvater einer großen weiblichen Fangemeinde sicher sein. Dort liegt er mit 56 Prozent über dem Bundesdurchschnitt, unter den männlichen Befragten kommt der Fernsehproduzent auf 41 Prozent. Den größten Zuspruch mit 71 Prozent erreicht Jauch unter Schülern und bei Befragten mit einer Volksschulbildung ohne Lehre (68 Prozent). Je jünger die Deutschen, desto größer die Zustimmung: In der Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen erlangt Jauch 60 Prozent und in der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen 55 Prozent und kann damit weit höhere Werte als den Bundesdurchschnitt auf sich vereinigen.

Kaum machte das Votum der Deutschen von Günther Jauch als "König für Deutschland" in Berliner Regierungskreisen die Runde, reagierte auch prompt die Bundesregierung mit deutlichen Worten auf eine mögliche Konkurrenz aus der Medienbranche. Man sehe in Deutschland derzeit keinen Bedarf für eine neue politische Figur wie Arnold Schwarzenegger, sagte Regierungssprecher Béla Anda gestern in Berlin: "Ich glaube, das ist keine Frage, die sich hier ernsthaft stellt", erläuterte der Regierungssprecher. Deutschland habe ein gewähltes Parlament und sei mit dem bisherigen System gut gefahren. Die jetzige Bundesregierung sei vergangenes Jahr "eindrucksvoll bestätigt" worden. Die nächsten Wahlen auf Bundesebene werde es erst in drei Jahren geben. "Insofern stellt sich diese Frage nicht", betonte Anda auf eine entsprechende Journalistenfrage.

Doch gerade in der Hauptstadt kann sich Günther Jauch seiner Sache sicher sein. In Berlin erhält der 47-Jährige mit 55 Prozent Zuspruch für ein wichtiges politisches Amt den zweithöchsten Wert in ganz Deutschland. Besser schneidet er mit 68 Prozent nur noch in Mecklenburg-Vorpommern/Brandenburg/Sachsen-Anhalt ab. Auch Sabine Christiansen (Berlin: 43 Prozent) und Thomas Gottschalk (Berlin:16 Prozent) erlangen an der Spree jeweils einen Prozentpunkt mehr als im Bundesdurchschnitt. Insgesamt sind die Sympathien in Berlin ohnehin etwas stärker ausgeprägt. Selbst Schlusslicht Dieter Bohlen erzielt in der Hauptstadt mit acht Prozent ein besseres Ergebnis.

Auffällig: "Kaiser" Franz genießt in der märkischen Metropole ein Vertrauen wie sonst nirgends in der Republik. Mit 30 Prozent erreicht der Sportmanager dort in den besten Wert aller insgesamt acht aufgelisteten Befragungsräume. Zum Vergleich: In Nordrhein-Westfalen und in Hessen kommt Beckenbauer auf jeweils 13 Prozent.

Derweil sind für Werbestrategen und Demoskopen besondere Einzeldaten von Interesse. So weiß zum Beispiel Emnid-Chef Klaus-Peter Schöppner im Gespräch mit der Berliner Morgenpost zu berichten, dass die guten Werte von Günther Jauch bei den Drei-Personen-Haushalten (63 Prozent) und den Haushalten mit mehr als vier Personen (53 Prozent) eine willkommene Nachricht für dessen Werbepartner darstellen: "Günther Jauch der Familienmensch mit großem Vertrauensbonus, das wird insbesondere die Firmen freuen, die auf den Fernsehmoderator als Werbeträger setzen", erläutert Schöppner. Wogegen der Emnid-Chef schon ein wenig überrascht sei, dass Dieter Bohlen in sämtlichen Fragekategorien so schlecht abschneidet.