Hier geht's ab, hier lohnt es sich zu warten. 15 Euro verlangt Gretchen am Eröffnungsabend. Das Berghain will nur zwölf. Das Gretchen ist das neue Ding der Icon-Betreiber Lars Döring und Pamela Schobeß. Wegen der drohenden Schließung des letzten Traditions-Clubs im Prenzlauer Berg schauten sich die beiden nach einer neuen Lokalität um und wurden fündig; neben einem LPG-Biomarkt und einer Schmuddel-Disco, gegenüber der Zahnarzt-Innung.
Drei dürfen rein, dann wieder warten. In Box 1 stehen derweil die ersten Gäste. Das von Säulen getragene Gewölbe spannt sich wie ein steinernes Zelt über den Köpfen. Früher standen hier Pferde an den Trögen, königliche Tiere des Preußischen 1. Garde-Dragoner-Regiments. Deswegen auch Box 1 und Box 2, die Tänzer werden zu Nutztieren. In Box 2, dem kleineren Bereich des Clubs, bereitet sich Cris Urban auf sein Set vor. Neben Unbekannten wie Urban lockt das Gretchen vor allem mit den französischen DJs Busy P und Krazy Baldhead. Busy P, Gründer des französischen Techno-Labels Ed Banger, spielt diese Art von Schiefe-Mützen-Bunte-Brillen-Bunte-Sneaker-Techno. Zwischen Hip-Hop und House, ein bisschen prollig. Box 1 ist jetzt voll, wer zu Box 2 will, muss sich durch die Tänzer kämpfen.
Döring und Schobeß wollen das Gretchen zu einem offenen Ort machen. Konzerte, Partys mit Folk, Electronica, House, Dubsteb, Avantgarde, Independent, Jazz. Das alles im "historischen Charme gepaart mit coolem Clubdesign". Das klingt alles ganz schön und durchaus interessant, wirkt aber insgesamt, als habe man unbeholfen versucht, große Namen durcheinander zu werfen. Um drei Uhr reicht die Schlange immer noch zu Straße. "15Euro, sind die bescheuert", ruft ein Mädchen in ihr Telefon. "Lass uns ins Berghain gehen".
Gretchen Obentrautstr. 19, Kreuzberg.


