Was sich im Frühling zu lesen lohnt - und was sich nicht lohnt.

Die Behauptung, Juden seien in den Tod gegangen wie die Lämmer zur Schlachtbank, empfindet Chaim Z. Rozwaski als Beleidigung. Weil er selber in Polen den Holocaust im Widerstand überlebte. Und weil jene Menschen, die keine Möglichkeit hatten, sich zu wehren, sich bis zuletzt ihr Ehrgefühl und Gottvertrauen bewahrt hätten. Die Shoah-Reflexionen von Rozwaski, seit 2001 Rabbiner in der Berliner Jüdischen Gemeinde, bewegen sich mitunter außerhalb dessen, was man politisch korrekt nennt. Der Autor sieht das Trauma, zu dem jeder Jude eine besondere emotionale Beziehung hat, zu einem "event in history" verkommen. Der Holocaust werde entpersonalisiert und verharmlost, von den Kirchen zur Ablenkung von eigenen Verfehlungen in eine allgemein-menschliche Katastrophe umdeklariert, von Gedenkmanagern kommerzialisiert oder für politische Zwecke missbraucht. Der Rabbiner fordert, die Shoah als Thema nicht den säkularen Juden bzw. den Zionisten zu überlassen. Es sei Zeit, im jüdischen Kalender endlich einen religiösen Gedenktag einzurichten, der in allen Synagogen begangen wird. usi

Chaim Z. Rozwaski: Würde und Widerstand. Deutsch von Elisabeth Seligmann. Philo Berlin, 122 S., 19,90 Euro