Der "Watzmann" ist zurück

Der "Watzmann" von Caspar David Friedrich ist zurück in der Alten Nationalgalerie und hat sie doch nie verlassen. Während eine Millionen Besucher die Berglandschaft seit der Wiedereröffnung der Galerie 2001 sahen, war seine Existenz in dieser Ausstellung, in Berlin, in Deutschland in den vergangenen knapp zwei Jahren extrem bedroht. Denn der "Watzmann" gehörte der Stiftung Preußischer Kulturbesitz offenbar nicht rechtmäßig. Zwar hat Nationalgaleriedirektor Eberhard Hanfstaengl das Bild 1937 auf einer Auktion aus dem Besitz von Martin Brunn für 25 000 Reichsmark durchaus rechtmäßig und wie man sagt "gutgläubig" erworben. Doch heute gilt der Verkauf als Zwangsverkauf, um die Flucht der Familie Brunn aus Deutschland zu finanzieren. So jedenfalls sieht es die Stiftung nach Verhandlungen mit den Erben und hat das Bild zurückgegeben, gleichzeitig aber die DekaBank als Käufer und Dauerleihgeber gefunden.

Genaueres will die Stiftung Preußischer Kulturbesitz zu diesem Fall, der einen empfindlichen Verlust für die Berliner Nationalgalerie bedeutet hätte, nicht sagen. Nur Andeutungen waren neben den großen Freudenreden über die Bedeutung des Bildes an sich und im Besonderen und für Berlin und Deutschland und die Präsentation im Caspar-David-Friedrich-Saal der Nationalgalerie gestern zum Festakt der Übergabe zu erfahren. Die Erbengemeinschaft lebe im Ausland, sie habe Anwälte in New York und Berlin. Obwohl der Name des Vorbesitzers - Martin Brunn - in allen Bestandsverzeichnissen publiziert wurde, will man ihn nun am liebsten verschweigen. Über Geld spricht man schon gar nicht, doch es muss viel gewesen sein, was die DekaBank für Friedrichs größtes Bild an die Erben von Martin Brunn bezahlt hat. Denn keine der sonst üblichen Finanzierungen (etwa eine Kooperation der Kulturstiftung der Länder mit Bund und Land, wie in anderen Fällen praktiziert) hätte ausgereicht, um die Forderungen der Erben erfüllen zu können.

Die Konstruktion ist vor allem für die Besucher und für Kanzler Gerhard Schröder perfekt. Der kam zum Rückkehrfest in die Nationalgalerie und erklärte die Kooperation von DekaBank und Stiftung Preußischer Kulturbesitz zum vorbildlichen gemeinsinnorientierten Geldtransfer. Mäzenatentum, wie er es sich wünsche in seinem Land. Dann flitzte er zum Fototermin vor "Watzmann" und verschwand. Der "Watzmann" bleibt, und das Schildchen vermerkt nun die DekaBank als Besitzer und Dauerleihgeber.

Frühere Rückgaben und erneute Ankäufe der Stiftung, etwa an die Erben Silberberg und die Erben der Littmann-Sammlung, waren heftig kritisiert worden, denn die Fristen für Rückgaben sind längst abgelaufen, mögliche Forderungen juristisch verjährt. Stiftungspräsident Lehmann verteidigt all diese Rückgaben, schließlich gründe sich die Nationalgalerie auf Schenkungen jüdischer Sammler.

Auch wenn die Stiftung nun geforscht hat und das Bild zurückgab, ist die Geschichte des "Watzmanns" und seiner Besitzer keineswegs lückenlos, man kennt Vorbesitzer in Greifwald und Rostock und eben jenen Martin Brunn aus Berlin. Sicher ist, dass das Bild 1824/25 entstand, als Friedrichs Ruhm bereits so gut wie vergangen war und ohne dass Friedrich jemals in der Nähe des Watzmanns gewesen wäre. Gemalt hat er nach einer Aquarellstudie seines Schülers August Heinrich und als Reaktion auf seinen Dresdner Konkurrenten Ludwig Richter, der 1824 einen "Watzmann" malte. Als Caspar David Friedrich 1840 arm und krank starb, war er schon in Vergessenheit geraten. Als sein "Watzmann", diese so neue, andere, nie gesehene, geradezu revolutionäre Landschaftsdarstellung in die Nationalgalerie kam, war er wieder überaus beliebt, als deutscher Maler und als Landschaftsmaler.

Das hat sich seitdem nicht geändert. Geld- und Dauerleihgeber Axel Weber, Vorstandvorsitzender der DekaBank, der auch nicht über Geld spricht, verkündete dafür seinen Werbeslogan: "Sparkassen - Gut für Deutschland". Man kann ihm in diesem Fall nur zustimmen.