Mit «Alles Neu» landeten sie den Sommerhit der Hauptstadt. Und sorgten für reichlich Diskussionen. Ist der Song eine unveröffentlichte Aufnahme von Ideal? Nein, klang nur so. Mia. (mit Punkt) nennt sich die Band, deren Frontfrau auch optisch ins West-Berlin der Achtziger gepasst hätte.
«Das siehst du ganz falsch», korrigiert Sängerin Mieze sofort genervt. «Mia. - das ist hier und jetzt, das ist unmittelbar, und das bewegt.» Letzteres zumindest scheint zuzutreffen. Alles Abklatsch, meinen die einen, endlich mal was Neues sagen die anderen. «Ich will, dass sich die Lager spalten» singt Mieze auf der kürzlich erschienenen CD «Hieb & Stichfest» im Song «Verrückt». Was Mia. auch gelungen ist.
«Wir wollen anstiften», sagen sie. Doch wozu eigentlich? «Den Arsch zu bewegen und etwas zu verändern», so Mieze, die das Sagen zu haben scheint in der Band - stummes Nicken der vier Begleitmusiker. «Wir sind an einen Punkt gelangt, wo es viel zu krass zugeht in der Welt, als dass man dazu keine Meinung haben könnte. Es ist wichtig, sich zu positionieren, ja oder nein zu etwas zu sagen. Das war auch in den Achtzigern so, dass irgendwann einmal Schluss war mit diesem alles ist schön, und alles ist weich, und alles ist lieb und nett. Da ging es konkret um eine Meinungsbildung.» Aha, erwischt! Haben sie also doch ihr Hörpensum bei Nina Hagen & Co. absolviert? «Haben wir nicht!» tönt es einhellig. «Natürlich steht auch eine Ideal-Platte in unserem Schrank, doch wir sind viel zu jung, um die Achtziger mitgenommen zu haben. Wir sind Jung-Twens!» Also Kinder der Neunziger, und - bis auf eine Ausnahme - Ostberliner. «Da bekam man so etwas sowieso nicht zu hören!»Dafür die DDR-Nationalhymne «Auferstanden aus Ruinen», aus der Mia. jetzt eine kleine rotzige Punkversion gemacht hat.
Elektropunk nennen Mia. ihre Musik, doch irgendwie kann man sich des Gedankens nicht erwehren, dass ihnen dieses Schlagwort in den Mund gelegt worden ist. Immerhin lassen sich die Musiker auch von anderen ankleiden; neben Produzent, Management und Elektroprogrammierung ist auf der Plattenhülle sogar eine Verantwortliche fürs «Image Design» aufgeführt. Die Band als Konstrukt? «Ganz und gar nicht», kontert Mieze. «Unsere Musik kommt direkt aus dem Probenraum. Aber um weltweit zu rocken braucht es halt weit mehr als das Adressbuch von uns fünf.»
Mia. rockt im Netz

