Draußen im Garten spült der Regen die Blätter sauber. Aber was ist eigentlich mit den Pflanzen im Zimmer? Wer auf den Möbeln Staub wischt, sieht viele winzige Partikel durch die Luft wirbeln. Sie lassen sich auch auf den Zimmerpflanzen nieder. Die Schicht wird mit der Zeit immer dicker und behindert schließlich das Wachstum. Am besten unternimmt der Pflanzenbesitzer rechtzeitig etwas dagegen.

Pflanzen sind wahre Staubfänger. Das liegt zum einen an den vielen Blättern, aber auch an deren Oberflächenstruktur. Die Stäube haften an Härchen, Filz und Wachsschichten. Das befreit die Luft von Staubpartikeln. Messungen in Frankfurter Straßen zeigten, dass an Orten mit Bäumen viermal weniger Staubpartikel in der Luft sind als in Straßen ohne Bäume.

Auf Zimmerpflanzen lagert sich über die Wochen mehr Staub ab als auf Tisch und Schrank. Er macht die Blätter nicht nur stumpf und unansehnlich. Er verringert auch den Lichteinfall und verklebt die Spaltöffnungen, über die die Pflanzen Sauerstoff, Kohlendioxid und Feuchtigkeit an die Luft abgeben.

Ein Ratschlag ist daher, regelmäßig die Blätter abzuwischen. Das bewährt sich vor allem bei großblättrigen Pflanzen wie der Violinenfeige, der Yucca oder der mächtigen Monstera. Wer viele solcher Pflanzen besitzt, kann sie von Zeit zu Zeit auch in die Badewanne stellen und abbrausen. Das Wasser unmittelbar aus dem Hahn ist aber meist zu kalt, es sollte mit warmem Wasser vermischt werden. Eine Duschtemperatur von 16 Grad bis 18 Grad ist für die meisten Pflanzen verträglich.

Nach dem Säubern sollte das Grün gut abtropfen und nicht gleich der prallen Sonne ausgesetzt werden. Das restliche Nass auf den Blättern wirkt wie ein Brennglas und hinterlässt Flecken oder gar abgestorbenes Gewebe in den Blättern.

Eine Regendusche als Alternative? Draußen im Regen gefährdet oft Kälte die Pflanzen. Was im Sommer als wohltuende Dusche wirkt, setzt sich selbst an milden Wintertagen aus kaltem Wasser und kalter Luft zusammen. Für (sub-)tropische Pflanzen, die sonst gleichmäßige Zimmertemperaturen gewöhnt sind, ist das eine unangenehme Mischung. Sie können darauf mit Wuchsdepressionen und vermehrtem Schädlingsbefall reagieren.

Gut bewährt hat sich daher die Sprühflasche. Auch das hat Reinigungswirkung, obwohl die Erhöhung der Luftfeuchtigkeit beim Sprühen im Vordergrund steht. Vielen tropischen Pflanzen bekommt diese Methode sehr gut. Für sie ist die Luft in den Räumen meist viel zu trocken. Sie leben sichtbar auf, wenn Sprühnebel sie von Zeit zu Zeit einhüllt. Damit Teppiche und Möbel keinen Schaden nehmen, sollten diese gegebenenfalls mit ein paar Handtüchern abgedeckt werden.

Aber längst nicht alle Pflanzen vertragen das Abbrausen oder Besprühen. Als Faustregel sollte man sich merken: Alles, was haariges und filziges Laub hat, mag keine Feuchtigkeit auf den Blättern. Haar und Filz wirken als Schutz. Nass neigen sie zum Verkleben und zum Faulen. Usambaraveilchen und Drehfrucht (Strepto-carpus) sind typische Vertreter dieser Gruppe.

Aber auch die Zimmerlinde hat lieber trockene Blätter, genauso wie Rechsteineria, Gloxinie und Schiefblatt (Achimenes). Zimmerbegonien leiden rasch unter Mehltau, daher bleiben auch ihre Blätter besser trocken. Staub auf ihren Blättern sollte der Pflanzenfreund lieber mit dem Pinsel wegfegen.

Eine Ausnahme von der Regel, dass filzige Pflanzen nicht nass werden sollten, bilden die Tillandsien, auch Luftnelken genannt. Ihre Blätter schimmern zwar filzig silbergrau - aber das sind nur die Saugschuppen, die Nebelnässe und Regenwasser auffangen und in das Innere der Pflanze leiten. Mit diesem Trick haben sie es geschafft, in ihrer südamerikanischen Heimat Zweige und Äste der Bäume als Lebensraum zu erobern.

Die Wurzeln finden dort in der Höhe kaum Wasser, sie dienen daher in erster Linie zum Festhalten. An ihrer Stelle übernehmen die Blätter die Versorgung mit Feuchtigkeit. Umso lebensnotwendiger ist im Zimmer das regelmäßige Besprühen und Einnebeln der Blätter für das Gedeihen der Tillandsien.

Nicht nur für die Luftnelken, sondern auch für alle anderen Pflanzen mit weichen, behaarten und filzigen Blättern ist das Besprühen mit Blattglanz tabu. Vertragen werden die Blattpflegemittel nur von hartblättrigen Gewächsen wie Gummibaum-Arten, Kroton, Yucca oder Palmen. Die Mittel enthalten meist natürliche Öle, die die Blattoberfläche glänzen lassen. Spuren von Wassertropfen und Kalkablagerungen verschwinden durch das Pflegemittel. Staub setzt sich auf der glatten Oberfläche nicht mehr so leicht ab. Wichtig ist, stärkere Staubablagerungen vor dem ersten Einsprühen zu entfernen. Sonst wird der Staub regelrecht auf den Blättern fixiert.

Die Blattunterseiten dürfen nicht mit besprüht werden. Dort sitzt bei den Hartlaubigen die Mehrzahl der Spaltöffnungen, die durch das Öl verkleben. Die gut gemeinte Pflege schadet dann mehr als sie nützt. Bei empfindlichen Gewächsen wie Orchideen oder Bromelien verzichtet man lieber ganz auf den Glanz. dpa