Es ist vor allem die angenehme Wärme, die Birgit Jänisch an ihrem Kachelofen so schätzt. Die 64-jährige Berlinerin ist mit Kachelöfen aufgewachsen und hat selbst seit vielen Jahren einen in ihrer Wohnung in einem denkmalgeschützten Berliner Mietshaus stehen. "Es ist das Schönste, wenn auch nicht das Bequemste. Ich würde jedoch nicht mehr auf die Wärme eins Kachelofens verzichten wollen", schwärmt sie.

Vielen Berlinern geht es ähnlich. Nach Schätzung von Ofensetzmeister Jörg Majer aus Kreuzberg stehen noch gut 200 000 klassische Kachelöfen in Berliner Haushalten. Sein Neuköllner Kollege, Kachelofen-Luftheizungsbaumeister Günter Weise, der seit gut 40 Jahren als Ofenbauer arbeitet, schätzt die Anzahl höher. "Es könnten schon noch an die 300 000 Einzelfeuerstätten sein", sagt er.

Diese Riesenzahl hat ihre Geschichte: Bis Ende der 1970er Jahre wurde der Erhalt von Kachelöfen in "West-Berlin" durch die Berliner Bauverordnung sichergestellt. "Gebäude mussten mit Notschornsteinen eingerichtet werden, um sicherzustellen, dass pro Wohnung mindestens ein Raum beheizbar war", erinnert Reiner Raeder (Schornsteinfeger-Innung Berlin) an die Mauer-Zeiten. Dazu passend hielt der Senat Briketts, Koks und Steinkohle als Senatsreserve zur Verfügung.

Bis zur Wende wurden dann die Sanierung von Altbauwohnungen und die Umstellung auf Gasetagenheizung gefördert. Bedingung für die Senatsförderung war, dass ein Raum der Wohnung weiter durch eine "Einzelfeuerstätte" beheizbar war - "oft ein Kachelöfen, der somit in vielen Wohnungen in West-Berlin erhalten blieb", sagt Raeder.

Heute ist dies wichtiger: Ein Kachelofen gilt nicht nur als günstig, sondern auch als gemütlich. "Der Kachelofen kann Wärme bis zu 24 Stunden speichern", sagt Weise. Noch entscheidender ist die spezielle Art der Wärme: Weil die Kacheln Wärme "abstrahlen" - statt wie beim normalen Heizkörper Luft zu erwärmen, die dann den Raum wärmt - wird diese Wärme angenehmer empfunden. Und es gibt weniger Staubzirkulation, was Allergiker bedenken.

Die Heizkosten sieht Weise für eine 80-qm-Wohnung bei 300 bis 400 Euro im Jahr, und er betont, dass der Brennstoff günstiger als Öl und Gas sei.

Wer einen funktionsfähigen und an einen Schornstein angeschlossenen Kachelofen hat und spontan Lust bekommt, ihn im Winter als Zweitheizung zu nutzen, sollte den Ofen unbedingt vorher von einem Ofenbauer warten lassen. "Alle zwei bis drei Jahre" sollte man dies laut Weise tun. Die Kosten dafür liegen bei 80 bis 150 Euro. Gerade vor dem ersten Anheizen ist die Überprüfung des Fachmanns wichtig. Auch kann er auch wertvolle Tipps geben.

So dürfen Kachelöfen oder Grundöfen, wie sie auch genannt werden, nur mit Naturbelassenem, trockenen Holz, Holzbriketts sowie Braunkohlebriketts beheizt werden. Papier sollte man nur in geringen Mengen zum Anzünden verwenden.

Wer einen neuen Kachelofen sucht: Das Vergnügen ist nicht billig. Die Kosten fangen laut Weise bei 3500 Euro an und können, so Majer, "schnell auch bei 10 000 Euro liegen". Wenn es mal eine Renaissance bei Kachelöfen in Berlin geben sollte, dann wird sie wohl nur in Privathäusern stattfinden. Weise: "In Mietwohnungen sind die Kosten für die Eigentümer einfach zu hoch."

Wer einen solchen Ofen neu plant: Schon ein kleiner Kachelofen kann 500 Kilo wiegen. Daher sollte man auch die Tragfähigkeit der Decke überprüfen lassen. Um sich und die Wohnung vor einem Brand zu schützen, muss für den Kachelofen ein Mindestabstand zu Möbeln und Holzwänden gehalten werden. Bei Holzfußböden sollte ein Bodenblech angebracht werden.