Da kauft der Mensch zum Trost dann gern auch ein paar Töpfe mehr. Die Landschaftsarchitektin Gabriella Pape hat im vergangenen Sommer die Königliche Gartenakademie in Dahlem eröffnet. Seitdem zeigt die Hamburgerin den Berlinern, wie man schöne Gärten, Terrassen und Balkone gestaltet. Die Gartenakademie ist ein Ort der Farbenpracht und des Friedens. Preußische Perfektion? Mit der Perfektion ist es so eine Sache, jeder Hobbygärtner versteht darunter etwas anderes: Dem einen sind seine akribisch geschnittenen Hecken lieb und teuer, der Nachbar hingegen hat sich vielleicht in den vergangenen 17 Jahren auf den penibel gemähten Rasen spezialisiert.
Nichts für Gabriella Pape! Sie hält es mit dem berühmten Gärtner, Staudenzüchter und Philosophen Karl Foerster (1874-1970), der einmal sagte: "Wer mit seinem Garten schon zufrieden ist, der hat ihn nicht verdient." Das ist bei genauer Betrachtung eine liebevolle Mahnung, sich jeden Tag aufs Neue zu bemühen. Jeden Tag. Ein Garten verzeiht keine Faulheit. Ein guter Gärtner hat außerdem immer die Sehnsucht nach Verbesserung im Herzen. "Sieht eine Ecke im Garten perfekt aus, gibt es bestimmt ein Eckchen, in dem es gerade zu viel Schatten gibt", sagt die Expertin. Oder ein anderes Problemchen taucht auf. Und schon ist sie dahin, die Perfektion. Aber das Streben nach dem "nahezu perfekten Garten" lässt die Gartenarchitektin gelten: "Der hat wenig Rasen und viele Stauden, damit immer etwas Neues blüht. In so einem Garten kommt das meiste Glück zurück."
Noch lässt der Frühling auf sich warten, das ist gut fürs Geschäft: "Die Kunden laufen uns gerade die Türen ein, die Sehnsucht nach etwas Fröhlichem ist da. Wer schlechte Laune hat oder eine Therapie braucht, der sollte jetzt kommen", sagt Gabriella Pape. Blumen gucken, statt Therapie. Noch ist es draußen für viele Pflanzen zu kühl, aber in den Gewächshäusern scheint ein Farbenrausch-Wettstreit ausgebrochen. Die gute Nachricht: Die Preise sind in diesem Jahr nicht gestiegen. Die schönsten Blumen der Saison sind Cosmeen. Aber nicht die Garten-Klassiker in Weiß oder Rosa, in den Gewächshäusern der Gartenakademie wird die Cosmea ("Cosmos" ist das griechische Wort für Harmonie) in knalligen Farben gezüchtet und darf frühestens im Mai ins Grüne oder den Balkonkasten. "Die Samen kommen aus England, heißen 'kosmische Cosmeen' und sind in Rot und Orange besonders schön. Die Pflanzen werden bis zu einen Meter hoch und haben tausende Blüten."
Wer nur eine kauft, spart jedoch am falschen Platz, denn in größeren Mengen wirken sie am schönsten (Preis pro Pflanze: 2,50 Euro). Gabriella Pape beschreibt die Vorzüge: "Sie blühen von Juni bis Dezember und sind ideal für den brandenburgischen Boden, denn sie kommen ursprünglich aus Mexiko und brauchen wenig Wasser." Ebenfalls neu in diesem Frühling sind Tabakpflanzen, die im Laufe des Sommers die Farbe verändern: "Sie blühen weiß auf und werden dann Pink."
Wer meint, gar keinen grünen Daumen zu haben oder ein wenig faul ist, für den gibt es in der Gartenakademie einen neuen Service: "Bringen Sie uns die leeren Balkonkästen und wir bepflanzen sie", sagt Gabriella Pape. Nur gießen muss man dann selbst, außer man gönnt sich den Luxus eines Gärtners.
Einen Versuch wert sind auch die Kartoffeln für den Balkon. Der Online-Versand www.gourmetgarten.com offeriert sie im Dreierpack (21,50 Euro). Hübsch und praktisch sind die essbaren Blüten, die ebenfalls per Post ins Haus kommen. Zum Sortiment gehören unter anderem weiße Korea-Minze, eine schwarze Stockrose, Federnelke und Goldmelisse (acht Jungpflanzen für 29, 50 Euro). Neuerdings gärtnern ja sogar die Amerikaner! Neuer Präsident, neues Grün: Michelle Obama legte kürzlich mit Schulkindern im Garten des Weißen Hauses ein 102 Quadratmeter großes Bio-Beet an. Mit Küchenkräutern, Spinat, Kohl, Brombeeren und Himbeeren. Die Königinnen des Präsidenten-Beetes sind die Broccoli-Pflanzen. Es ist das Lieblingsgemüse der First Lady. Und die ist, wie wir wissen, nahezu perfekt.


