Marode Kandelaber an der Karl-Marx-Allee

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Michael Albrecht

Die historischen Straßenlampen an der Karl-Marx-Allee verfallen. Viele Sockel und Säulen der noch verbliebenen knapp 160 von einstmals 202 Kandelabern, die von DDR-Architekt Richard Paulick entworfen wurden, sind geborsten. Sie werden notdürftig mit Stahlbändern zusammengehalten. Manche der schlanken Betonsäulen tragen schon keine Lampenkrone mehr, ein gutes Dutzend der Kandelaber ist kurz über dem Sockel "amputiert". Sie ragen als Stümpfe aus dem Pflaster.

"Dieser Anblick ist für die ansonsten aufwendig sanierte Prachtstraße regelrecht imageschädigend", sagt Baustadtrat Franz Schulz (Grüne). Ginge es nach ihm, wären die historischen Kandelaber längst durch ein historisierendes Modell in schlanker Ausführung ersetzt worden, "das uns von einer Brandenburger Firma relativ kostengünstig angeboten wurde". Doch das Exemplar, das am Westeingang des U-Bahnhofs Weberwiese als Muster aufgestellt wurde, habe "keinen Gefallen bei dem früheren Senator für Stadtentwicklung Peter Strieder gefunden und sei deshalb abgelehnt worden".

Das Tiefbauamt des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg, das die Lampenerneuerung in Amtshilfe für den Senat betreut, hat das Lampenprojekt auf der Basis eines originalen Nachbaus der historischen Kandelaber noch einmal neu berechnet. Statt der vom Abgeordnetenhaus zunächst gebilligten 1,8 Millionen Euro komme man nun auf 4,35 Millionen Euro. Denn ein Doppelkandelaber koste mit Einbau zirka 15 000 Euro, mit vierflammiger Laterne sogar knapp 19 000 Euro, so Schulz. Dieser neue Kostenansatz ist Bestandteil der Bauplanungsunterlagen, die Mitte August an die Senatorin für Stadtentwicklung, Ingeborg Junge-Reyer (SPD), weitergeleitet wurden. Wie der Abteilungsleiter Tiefbau bei der Senatsverwaltung, Frieder Bühring, sagte, würden gegenwärtig mit dem Landesdenkmalamt alle Möglichkeiten des Lampenersatzes geprüft.

Für Klaus von Krosigk, Leiter des Landesdenkmalamtes, kommen Ersatzlösungen nicht in Frage. "Ohne diese wundervollen Kandelaber wäre das einmalige städtebauliche Ensemble Karl-Marx-Allee gar nicht denkbar", sagt er. Von Krosigk schlägt angesichts der Geldnöte vor, die Wiederherstellung der Lampen - von denen in einem Betonwerk in Coswig (Sachsen-Anhalt) sogar noch die originalen Gußformen existieren - als "einen auf mehrere Jahre angelegten Prozeß zu betrachten".

"Die Zeit drängt, denn der bauliche Zustand der unterdessen mehr als 50 Jahre alten Kandelaber wird immer schlechter", warnt auch der Bauleiter des Reparaturtrupps der SAG-Montagegesellschaft, Fredi Lüpkow. Er montiert zur Zeit im Auftrage des Unternehmens Berliner Licht Hilfsleuchten an noch tragfähigen Kandelabern. Außerdem werden brüchige Lampen abmontiert und überall dort, wo nur noch Sockelstümpfe stehen, Stahlpeitschenlampen oder Strahler angebracht.