Berge in Berlin? Die Schweizer Touristen hielten es für einen guten Witz. Nach zehn Kilometern auf dem Havelhöhenweg von der Heerstraße im Norden bis zum Strandbad Wannsee im Süden, immer am Steilufer der Havel entlang, war ihnen das Lachen vergangen. Schnaufend gaben sie zu: Für Berliner Verhältnisse könnte der bis zu 80 Meter ansteigende Havelhöhenweg schon bergig genannt werden.

Gern gibt Elmar Kilz, Leiter des Forstamtes Grunewald, die Episode zum Besten. Möglichst nach einem Anstieg. Da nicken alle nur bedächtig. Oben angekommen, wartet die Belohnung für die kleine Mühe. Immer wieder neue Lichtungen geben den Blick frei auf Schwanenwerder, Lindwerder, auf die Altstadt Spandau, auf Segelboote, Villen und Herrenhäuser.

Seit gestern ist der Havelhöhenweg wieder für alle Berliner zugängig. Ein Jahr lang wurden 15 Aussichtspunkte an der Havel freigelegt, Treppen ausgebaut, Geländer erneuert und Wege gekennzeichnet. Gleichzeitig wurde ein neues Leitsystem für die Besucher entwickelt, das Pilotcharakter hat. In Kombination mit Internet, Flyern und Vorort-Markierung bietet es detailgenaue Information zum Weg. 870 000 Euro aus EU- und Landesmitteln flossen in die Sanierungsarbeiten.

Der Uferspaziergang bietet mehr als schöne Aussichten und Waldluft. Es sei ein kulturhistorischer Spaziergang, sagt Designerin Wiebke Enwaldt, die den Internetauftritt gestaltet hat. Was hat es mit den Mortzfeldt 'schen Löchern und der verwunschenen Wiese auf sich? Darüber kann man sich vor dem Spaziergang schlau machen. Spannend auch für Familien- und Schulausflüge ist "Die Schatzsuche". "Vom Winde verdreht" wird zum Beispiel eine Kiefer betitelt, die 200 Jahre alt ist und die der Sturm arg mitgenommen hat. Ein Foto und Hinweise gibt es im Internet. Doch dann heißt es: Aufmerksam suchen.

Damit sich draußen keiner verläuft, hat Landschaftsplaner Claus Herrmann Wege markiert und Stationen mit Zahlen versehen. An Nummer 17 lernen die Ausflügler zum Beispiel etwas über das Trockenrasen-Gebiet vor ihren Augen. Dieser dürre Standort sei bei den Reparaturarbeiten erst entdeckt worden und gelte nun als Biotop, vermittelt Herrmann. Seltene Gräser gebe es dort. Alle nicken. Und einer der Wanderer sagt voller Bewunderung: "Was Berlin alles zu bieten hat."