Roswitha Kaden sitzt am Schreibtisch im fünften Stockwerk des Landeskriminalamtes (LKA) am Tempelhofer Damm in Tempelhof. "Wir sind hier in einem sensiblen Sicherheitsbereich", sagt die Leiterin der Falschgeldstelle. "Wir bearbeiten Verbrechenstatbestände, das sind keine Vergehen. Das ist organisierte Kriminalität."
Jeden Tag wird in Berlin Falschgeld entdeckt. Und jede falsche Note geht über den Tisch der Ersten Kriminalhauptkommissarin. "Wir kriegen sie alle!", sagt sie im energischen Ton. Mit DNA-Analyse und akribischer Kleinarbeit haben die rund zehn Ermittler des Falschgeld-Kommissariats 413 und ihre "Chefin", wie Kaden von ihren Mitarbeitern genannt wird, bisher noch jeden gefasst, der ihnen einen "Falschen Fuffziger" unterjubeln wollte.
Innerhalb eines Vierteljahres gelang es dem Kommissariat, zwei Fälscherbanden aufzuspüren und festzunehmen. So nahmen die Berliner Ermittler im Mai eine Fälscherbande auf frischer Tat fest. Mit zwei Pkw, beladen mit "Blüten", waren die Tatverdächtigen, von denen einige aus Berlin stammten, am 22. Mai aus Italien in Echingen bei München eingetroffen. Als die Ware in einer Wohnung aufgeteilt werden sollte, schlugen die Berliner Ermittler gemeinsam mit einem bayerischen Spezialeinsatzkommando zu und nahmen drei mutmaßliche Mitglieder des Falschgeldringes fest. Vier weitere Tatverdächtige wurden in der Nähe der Wohnung gestellt, ein 41-Jähriger in Berlin festgenommen. Die Ermittler stellten 200.000 Euro Falschgeld sicher.
"Nach so einem Schlag gegen die Geldfälscher dauert es gewöhnlich eine Weile, bis das nächste Mal Falschgeld auftaucht", sagt Roswitha Kaden. Denn die entstandene "Marktlücke" müsse von neuen Tätern erst erschlossen werden.
Bei den damals beschlagnahmten Banknoten handelte es sich um hochwertige Druckfälschungen. "Diese professionellen Fälschungen werden von Osteuropa bis nach Italien hergestellt. Teilweise sogar in legalen Druckereien", erklärt die Kriminalhauptkommissarin. Dabei arbeiten die Fälscher mit normalem Offsetdruck. "Tagsüber werden Glückwunschkarten gedruckt und nachts das Falschgeld."
Daher kooperiert die LKA-Dienststelle 413 eng mit Bundeskriminalamt, Europol und Interpol. "Es findet ein ständiger Austausch zwischen den Fahndern über den aktuellen Ermittlungsstand statt", sagt Kaden.
In Deutschland würde es solche Falschgeld-Druckereien allerdings nicht geben, sagt sie. "Blüten" würden hier meist mit dem Scanner kopiert und dann weiterverarbeitet. Roswitha Kaden zieht einen gefälschten 50-Euro-Schein hervor. Auf den ersten Blick sieht diese Kopie gar nicht mal schlecht aus. Doch beim genaueren Hinsehen enttarnt das Hologramm die schlechte Fälschung. "Die Täter haben versuchten, auf dem kopierten Geldschein das Hologramm mit Alufolie nachzuahmen", sagt Roswitha Kaden und hält den Schein gegen das Licht. Auch das Wasserzeichen und der Farbwechsel des Wertzeichens sind schlecht gemacht. "Besser sehen die Kopien selten aus", sagt die Leiterin der Falschgeldstelle. Durch genaues Hinschauen seien auf diese Weise gefälschte Scheine auch für das ungeschulte Auge leicht zu erkennen.
Der in Deutschland durch Falschgeld entstandene Schaden ist im ersten Halbjahr 2009 weiter gesunken. Die Deutsche Bundesbank registrierte in diesem Zeitraum eine Schadenssumme von rund 1,6 Millionen Euro nach 1,7 Millionen Euro im zweiten Halbjahr 2008. Grund für diese Entwicklung sei der deutliche Rückgang an Fälschungen von 100- und 200 Euro-Banknoten. Allerdings sei die Anzahl falscher Euro-Banknoten im gleichen Zeitraum mit 24.344 um rund 17 Prozent im Vergleich zum vorangegangenen Halbjahr gestiegen.
Dabei steigt die Anzahl der gefälschten 20-Euro-Scheine schon seit Anfang vergangenen Jahres kontinuierlich an. Zwar ist der 50-Euro-Schein immer noch der am häufigsten gefälschte, aber der 20-er holt langsam auf. "Geldfälscher orientieren sich an den Scheinen, die am häufigsten im Umlauf sind und am häufigsten von einem Automaten ausgespuckt werden", erklärt die Kriminalhauptkommissarin.
Waren es früher hauptsächlich 50-Euro-Scheine, die aus den Geldautomaten kamen, seien es heute mehr 20-Euro-Scheine. Also würden diese auch häufiger gefälscht, erklärt Roswitha Kaden diesen Wandel. Außerdem werden kleinere Euro-Scheine weniger auf ihre Echtheit geprüft als große. Dabei sollte Bargeld immer aufmerksam kontrolliert werden. Denn Falschgeld, das "auffliegt", bekommt man nicht ersetzt, es wird ersatzlos eingezogen. Gibt man Falschgeld weiter, macht man sich strafbar.
Gefälschte Euroscheine seien aber nicht lange im Umlauf, sagt die Hauptkommissarin. " Das Geld geht maximal durch zwei Hände." Dann läuft es über eine Ein- oder Auszahlung durch einen Geldautomaten, der das Falschgeld einzieht.
Allerdings liegt Deutschland mit dem im Zahlungsverkehr gefundenen Falschgeld nach Angaben der Deutschen Bundesbank weit unter dem europäischen Durchschnitt. Einmal in tausend Jahren - so hoch liege die Chance für einen Bürger, eine gefälschte Banknote in den Händen zu halten. Theoretisch.
S icherheitsmerkmale
Schimmernde Streifen 5-, 10- und 20-Euro-Scheine sind mit einem so genannten Perlglanzstreifen ausgestattet, der unverwechselbar und fälschungssicher ist. Er verläuft auf der Rückseite in der Mitte der Banknote. Fehlt er, handelt es sich um Falschgeld.
Changierende Felder Genauso fälschungssicher sind bei den Scheinen ab 50 Euro der Farbwechsel der "silbernen" Felder an der rechten unteren Ecke der Rückseite der Noten, wenn man diese bewegt.



