Prozesse

Berlin wird von Falschgeld überschwemmt

Die Berliner Polizei hat 20 Prozent mehr Falschgeld beschlagnahmt als im Jahr zuvor. Jetzt beginnen zwei Prozesse gegen einen 17-Jährigen sowie gegen Mitglieder einer gut organisierten Bande.

In Berlin ist immer mehr Falschgeld im Umlauf. Nach Angaben der Bundesbank stieg die Anzahl der beschlagnahmten falschen Scheine im ersten Halbjahr 2010 um mehr als 20 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Knapp 34000 gefälschte Banknoten in allen Größenordnungen zählte das Institut zwischen Januar und Juni dieses Jahres. Die Tricks der Täter sind oft einfach, aber erfolgreich. Und Rivalitäten in der Szene werden häufig mit brutaler Gewalt ausgetragen. Das machen auch zwei Prozesse deutlich, die am Montag und Dienstag vor dem Landgericht Moabit beginnen.

Von Montag an muss sich dort vor einer Jugendstrafkammer der Berliner Florian N. verantworten. Obwohl erst ganze 17 Jahre alt, soll er bereits seit Sommer 2007 regelmäßig Falschgeld hergestellt und in Umlauf gebracht haben. Doch das ist nur ein Teil der Vorwürfe, die die Staatsanwaltschaft gegen ihn erhebt. Die Anklagebehörde wirft ihm außerdem versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung vor.

Ende März dieses Jahres soll N. zusammen mit einem Komplizen in Johannisthal einen Kontrahenten brutal misshandelt haben. Nachdem der Komplize den Mann mit zahlreichen Schlägen und Tritten eingedeckt hatte, stach der Angeklagte nach den Ermittlungsergebnissen der Staatsanwaltschaft mit einem Schraubenzieher sieben Mal auf ihn ein. Das Opfer erlitt schwerste Verletzungen des rechten Lungenflügels, der Leber sowie der Milz und konnte nur durch eine Notoperation gerettet werden. In welchem Zusammenhang die brutale Tat mit den Geldfälschungen steht, muss jetzt das Gericht klären. Die Richter haben zunächst vier Verhandlungstage angesetzt.

Zahlreiche Bankkonten eröffnet

Von Dienstag an müssen sich vor einer anderen Strafkammer zwei weitere Angeklagte wegen Geldfälschung verantworten. Dem 23-jährigen Mohamad Z. und der gleichaltrigen Jessica M. wirft die Staatsanwaltschaft gleich mehrere Fälschungs- und Betrugsdelikte vor. Sie sollen über einen Zeitraum von zwei Jahren in Berlin und Hamburg mithilfe gefälschter Personaldokumente zahlreiche Bankkonten eröffnet haben, über die unter anderem Falschgeld gewaschen wurde.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft haben die Angeklagten auf den von ihnen eröffneten Konten Falschgeld in bar eingezahlt und den Betrag dann sofort am Bankautomaten wieder abgehoben. So gelangten die Blüten in Umlauf, ihre Herkunft war danach kaum noch zu ermitteln. Die von den Angeklagten eröffneten Konten sollen laut Anklageschrift noch für eine Reihe von Betrugsdelikten benutzt worden sein. Insgesamt wirft die Staatsanwaltschaft Mohamad Z. und Jessica M. 126 Einzeltaten vor.

Neben den beiden 23-Jährigen sind noch weitere Mitglieder der offenbar gut organisierten Fälscherbande ins Visier von Polizei und Justiz geraten. Derzeit laufen gegen sie mehrere Ermittlungsverfahren. Der Prozess gegen das Berliner Pärchen soll unter anderem klären, welche Rolle beide innerhalb der Organisation spielten. Dass die Fälscher ihre Blüten zwei Jahre lang bei Banken einzahlen konnten, ohne aufzufallen, ist nach Ansicht von Ermittlern ein Beleg für die ausgezeichnete Qualität der Fälschungen und für die professionelle Arbeit der Fälscher.

Gut organisierte Banden bedienen sich gern der Mitarbeit williger Helfer. Diese bringen das Falschgeld durch Bareinzahlungen bei Banken oder Großeinkäufe in Umlauf, bei ihnen liegt das Hauptrisiko, entdeckt zu werden. Im Falle einer Festnahme ist es schwierig, über die Helfer an die Hintermänner zu gelangen. Die Festgenommenen schweigen, aus Angst oder weil sie die Drahtzieher selbst nicht kennen. Die Banden agieren häufig von osteuropäischen Ländern aus. Berlin genießt, aufgrund seiner geografischen Lage, den zweifelhaften Ruf eines idealen Standortes für die Geldwäsche.