Busfahrer werden immer öfter die Opfer von Gewalttaten, 187 zählte die BVG bislang in diesem Jahr. Jetzt werden neue Busse mit Sicherheitsscheiben zum Schutz der Fahrer ausgerüstet. 2004 wurden 174 Angriffe registriert, im Jahr davor 173. Bezieht man diese Zahlen auf die Menge der Einsätze aller Fahrer, ergibt sich eine Übergriff-Quote von 0,031 bis 0,033 Prozent. Das klingt wenig, ist dennoch zu viel.
Berlin liegt über dem Schnitt anderer Städte, und "die Schwere der Taten nimmt deutlich zu", sagt BVG-Omnibus-Chef Johannes Müller. Die Fahrer würden angespuckt, geschlagen, gewürgt. "Einer Kollegin wurde ohne ersichtlichen Grund das Nasenbein gebrochen", berichtet Personalrat Axel Schröder.
Daß die am 5. April 2004 eingeführte Vorschrift, nur vorn in Busse einzusteigen, für mehr Konflikte sorgt, hat sich nach Müllers Worten nicht bestätigt. "Wir hatten danach keinen dauerhaften Anstieg der Angriffe", sagt er. Die BVG schult inzwischen ihre Fahrer: Sie lernen Gefahren besser einzuschätzen sowie Deeskalations- und Distanzierungstechniken.
"Die Sicherheit unserer Mitarbeiter geht vor. Im Ernstfall sollen sie die Fahrt abbrechen und Hilfe anfordern", erläutert Müller. Ein dreistufiges Notrufsystem, Videoüberwachung mit Aufzeichnung in mittlerweile 30 Prozent aller Busse und bauliche Veränderungen sollen die Fahrer besser schützen. Derzeit sei man mit dem Datenschutzbeauftragten darüber im Gespräch, die Dauer der Video-Aufzeichnung von derzeit maximal 36 Minuten auf bis zu vier Stunden zu erhöhen. "Der Fahrer muß auf den Verkehr achten und kann nicht dauernd seine Fahrgäste beobachten, um bei einer möglichen Straftat die Aufzeichnung zu starten", sagt Müller.
Nach und nach werden jetzt zunächst 130 Solaris-Busse, später auch andere Fabrikate mit neuen, schlagfesten Sicherheitsscheiben ausgerüstet, die die Fahrer vor Angriffen von hinten besser schützen sollen. Auf Linien, die als gefährlich gelten, werden bereits uniformierte Sicherheitskräfte eingesetzt.

