20 S-Bahnhöfe müssen ohne Zugabfertiger auskommen

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Florentine Anders

In den kommenden Monaten wird die S-Bahn von 20 weiteren Bahnhöfen die Zugabfertiger abziehen. Das geht aus einem internen Papier hervor. Schon jetzt müssen die Zugführer auf 30 Bahnhöfen ganztägig oder nachts die Abfertigung selbst übernehmen. Ziel sei es, "bis 2008/09 die Zugabfertigung auf den Bahngleisen komplett einzustellen", bestätigt S-Bahn-Sprecher Ingo Priegnitz. Die S-Bahn will, wie berichtet, 880 Stellen in allen Bereichen abbauen, weil sie vom Land etwa 26 Millionen weniger Zuschüsse erhält.

Daß es bisher überhaupt noch Zugabfertiger gebe, sei ein bundesweiter Ausnahmefall und liege allein an der veralteten Technik, betont Priegnitz. Nach und nach seien Züge und Bahnhöfe jetzt mit der nötigen Technik zur Selbstabfertigung durch die Fahrer ausgestattet. Auf etwa 20 Stammbahnhöfen, die über das gesamte Netz verteilt sein sollen, werde es künftig Servicemitarbeiter geben, die in Notfällen bei umliegenden Bahnhöfen schnell eingreifen können.

Die verbleibenden der insgesamt 165 Bahnhöfe würden allerdings nicht automatisch zu Geisterbahnhöfen. Schließlich gebe es 70 Fahrkartenschalter und zehn Kundenzentren der S-Bahn. Auf einer Reihe von Bahnhöfen würden sich die Fahrgäste aber mit der roten Taste an den Infosäulen begnügen müssen, wenn sie Fragen haben. Auf dem Bahnhof am Flughafen Schönefeld stünde zudem rund um die Uhr Bahnpersonal auf den Regionalbahnsteigen zur Verfügung. Bis 22 Uhr sei der Service-Point besetzt.

"Die wenigsten Touristen nutzen vom Flughafen die Regionalbahn, um nach Berlin zu fahren", entgegnet der Betriebsratsvorsitzende Andreas Tannhäuser. Die Ankommenden würden auf den S-Bahnsteigen allein gelassen. Der Betriebsrat fürchtet vor allem um das Personal. Zwar sind betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen, die eingesparten Mitarbeiter könnten aber im gesamten DB-Konzern von Saarbrücken bis Flensburg umgesetzt werden, sagt Tannhäuser.

Kritik kommt auch von der Gewerkschaft Transnet. "Ein wichtiges Serviceargument entfällt", sagt Gewerkschaftssprecher Michael Klein. Hier müsse aber auch die Landespolitik reagieren und deutlich machen, wie viel ihr das Bahnhofspersonal wert ist.