48 Jungtiere wurden im März zur Welt gebracht. Sie sind alle rabenschwarz. Im vergangenen Sommer waren auf der drei Hektar großen Weide direkt gegenüber dem evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge 32 Muttertiere der seltenen Rasse Rauwolliges Pommersches Landschaf angesiedelt worden. Sie kamen aus Brandenburg. Hinzu gesellte sich im Herbst ein überaus fleißiger Bock von der Insel Rügen. Schäferin Martina Schwarze: "Wir erwarten, dass die Zahl von 50 Lämmern noch vor Ostern erreicht wird."


Die Schafherde sorgt umweltfreundlich und kostengünstig für die Pflege der saftigen Grünflächen. Die Weide soll auf 20 Hektar erweitert werden. Das Gelände war früher eine unansehnliche Brache. Der neue Landschaftspark zwischen Herzberg- und Rhinstraße umfasst im ersten Bauabschnitt 50 Hektar. "Es wird ein landwirtschaftlich geprägter Park für die Naherholung, den es so in Berlin noch nicht gibt", sagt Umweltstadtrat Andreas Geisel (SPD). Auch Liege- und Spielwiesen seien geplant. Seit 2005 wird an der Umgestaltung des Geländes gearbeitet. Verfallene Industriegebäude und Vandalismus hatten seit der Wende ihre Spuren hinterlassen, große Teile waren regelrecht verwildert.

Mittlerweile wurden Ruinen abgerissen, kontaminierte Böden entsiegelt, Wanderwege und ein Radweg zwischen Siegfriedstraße und Allee der Kosmonauten angelegt. Bisher wurden 3,3 Millionen Euro für das Projekt bereitgestellt, hauptsächlich aus den Umweltentlastungsprogrammen der EU und des Landes Berlin. Träger ist der Verein Agrarbörse Deutschland Ost. Projektleiter Karlheinz Riedel sagt: "Etwa zwei Millionen Euro werden noch bis 2014 benötigt." Geld werde auch dem EU-Landwirtschaftsfonds beantragt, denn für die Bewirtschaftung des Parks sei bereits ein Agrarbetrieb gebildet worden. Riedel: "Noch in diesem Jahr entsteht eine Obstwiese zur öffentlichen Nutzung mit vorerst hundert Apfel-, Kirsch- und Pflaumenbäumen und vielen Obststräuchern." Man wolle vor allem seltene Sorten anpflanzen. Auch Demonstrations-Anbauflächen für Getreide seien geplant. Rund um das Gelände wird ein weiterer Rad- und Skaterweg angelegt, die Renaturierungsarbeiten gehen weiter. So wird der ehemalige Rangierbahnhof des Industriegebiets Herzberge in den Park integriert, Ställe für Ponys und kleine Rinder entstehen.

Die Tiere sollen ebenso wie die Schafe bei Rehabilitations-Therapien für junge Patienten des Krankenhauses genutzt werden. Umwelt-Bildungsprojekte für Kita-Gruppen sind bereits im Gange. Anmeldungen für Führungen unter Tel. 0176 62 70 23 60.

"Der Park bietet aber auch weitere Naturerlebnisse mitten in der Stadt", sagt Geisel, "so eine unglaubliche städtische Wildnis, die erhalten bleibt". Alte Eichen- und Hainbuchwälder sind eine Besonderheit des Berliner Raums. Die mehr als hundert Jahre alten Teiche und Biotope gehören zu den bedeutendsten Amphibien-Laichplätzen der Stadt. Geisel: "Wir haben beim Senat beantragt, den Park als Landschaftsschutzgebiet auszuweisen."

Die Schafherde soll weiter wachsen, so dass die zotteligen "Landschaftspfleger" auf weiteren Flächen des Bezirkes und Berlins eingesetzt werden können. So wurde vom Verein Agrarbörse beim Senat beantragt, mit Hilfe der Schafe das Gelände des früheren Flughafens Tempelhof von zu hohem Gras zu befreien. Die Tiere sind sehr robust und genügsam. Bis vor kurzem standen sie auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Haustierrassen. Die Lage hat sich stabilisiert. Derzeit leben in Deutschland 2500 bis 3000 Rauwollige Pommersche Landschafe.