Es hat niemanden in der jüngeren deutschen Medienszene gegeben, dessen Weg so von Skandalen begleitet war wie der von Harald Juhnke. Und es gab auch niemanden, der so weich fiel wie Harald.
Die Deutschen und vor allem die Berliner - sie haben diesem Phönix aus der Flasche alles verziehen, immer und immer wieder.
Da konnte er Premieren platzen lassen, das Publikum verprellen, ganze TV-Produktionen schmeißen, mal mit einem blauen Auge nach Hause kommen und vor lauernden Journalisten im angetüterten Zustand dummes Zeug reden. Das alles hat ihm kein Schw... übelgenommen. Weil: Es war ja der Juhnke. "Wat ihr Pressefritzen an mir verdient", sagte er mal zu mir, "davon hätte ick jerne nur zehn Prozent..."
Klar. Harald Juhnke hat Generationen von Klatschreportern durchgefüttert. Seine Trinkgelage haben die Gastronomie im alten West-Berlin aufrecht erhalten. Zu Mauerzeiten haben sich ja doch einige aus der Frontstadt abgeseilt. Weil die Russen vor der Tür standen. Die sind heute im KaDeWe und zahlen den Nerz für Püppi bar. Wußte aber keiner damals.
Harald ist geblieben. Nie im Leben wollte er weg aus Mauertown. "Berlin ist meine Stadt", hat er mal gesagt. In München hätte er sich vermutlich grottenschlecht gefühlt. Er hat halt seine Wurzeln nicht vergessen, ein Weddinger Kind mit Bodenhaftung.
Der Alkohol hat ihn in ferne Sphären getrieben, aber - nüchtern betrachtet, wenn man das so sagen darf - war er immer der Ur-Berliner. Stand fürs trotzige Ausharren. Hatte hier ja auch einiges erlebt. Karrierestart, erste Liebe, erster Vollrausch, erster Gerichtsprozeß. Ist Auto gefahren nach zehn Bier und 23 Klaren. Bei der Festnahme noch einen Polizisten aufgemischt. Sein Leumundszeuge: ausgerechnet Bubi Scholz. Auch so einer, der kein Glas stehen lassen konnte. Es folgte: der erste (und einzige) Aufenthalt im Knast. Hat Haralds Karriere alles nicht geschadet. Er war der Stehauf-Juhnke. Hat Mist gebaut, aber dafür geradegestanden. Und immer hat er die Berliner Fahne hochgehalten. "Schau mal, der Juhnke, "fällt immer wieder auf die Schnauze und kommt immer wieder hoch", meinten die Berliner voller Bewunderung. Das war ja mal die Überlebensstrategie der Menschen dieser Stadt. Weitermachen. Sich nicht runterkriegen lassen. Hat ja auch geklappt.

