Hermann Henselmann wurde am 3. Februar 1905 in Roßla am Harz geboren. Nach einer Lehre in der Möbeltischlerei seines Vaters studierte Henselmann von 1923 bis 1926 an der Kunstgewerbeschule Berlin. Anschließend arbeitete er in mehreren Büros, unter anderem bei Leo Nachtlicht, einem der progressivsten Berliner Architekten der zwanziger Jahre. 1930 bis1931 baut Henselmann in Montreux die berühmte Villa Ken-Win, ein gestalterisch an Le Corbusier angelehntes überaus modernes Gebäude.
Während der NS-Diktatur mußte Henselmann seine eigenständige Tätigkeit aufgeben, wurde aus der Reichskulturkammer ausgeschlossen und lernte als Halbjude, wie er in einem seiner letzten Interviews einmal sagte, "Hakenschlagen". Kurz vor Kriegsende floh Henselmann mit seiner Familie nach Gotha, wo er nach Kriegsende Kreisbaurat wird. 1946 folgte er dem Ruf als Direktor der Hochschule für Baukunst und bildende Künste in Weimar, dem Gründungsort der Bauhaus-Schule 1919. 1949 wurde Henselmann Leiter einer Abteilung am Institut für Bauwesen der Deutschen Akademie der Wissenschaften in Ost-Berlin. Als Leiter einer der Meisterwerkstätten wurde Henselmann zu Entwürfen für die Bebauung der Stalinallee aufgefordert, wo er für den Strausberger Platz (1952-1954) und das Frankfurter Tor (1954-1956) verantwortlich zeichnet. Während seiner Arbeiten am Strausberger Platz wurde Henselmann 1953 zum Chefarchitekten von Groß-Berlin ernannt, 1959 bis 1964 agierte er als Chefarchitekt des Instituts für Sonderbauten der Bauakademie, 1967 bis 1972 als Chefarchitekt des Instituts für Städtebau und Architektur der Bauakademie. Zu Henselmanns wichtigsten Bauten in Berlin zählen das Haus an der Weberwiese(1951-1952), das Haus des Lehrers (1961-1964) und die Wohngebäude am Leninplatz (1967-1970), heute Platz der Vereinten Nationen. Henselmann starb kurz vor seinem 90. Geburtstag am 19. Januar 1995 in Berlin.
sg

