Gesundheit, Familienglück, Liebe. Drei Wünsche, die immer wieder ausgesprochen werden, auch von den Prominenten Berlins. Wir haben Entscheidungsträger in Politik, Kultur und Wirtschaft dieser Stadt gefragt, was sie sich für 2005 wünschen, und zwar sowohl für sich selbst als auch für Berlin. Die meisten stellten dabei Gesundheit für sich und ihre Familienmitglieder in den Vordergrund der persönlichen Wünsche. Denn, so das Argument: "Ohne Gesundheit ist alles nichts." Für Berlin und die Berliner wünschten sich viele, daß die Hauptstädter ihren Humor bewahren, mehr Selbstvertrauen erhalten, zufriedener mit dem sind, was sie - im Gegensatz zu vielen anderen Menschen weltweit - haben. Manche der Befragten, darunter auch Eisschnelläuferin Claudia Pechstein, standen noch unter dem Eindruck der Katastrophe in Asien. Die Sportlerin wünscht sich vor allem ein Jahr ohne Naturkatastrophe, aber wie auch viele ihrer Kollegen handfeste berufliche Erfolge. Die Wirtschaftsentscheider dachten vor allem an das "zarte Pflänzchen" des Aufschwungs, das in dieser Stadt möglichst weiter gedeihen soll. Dazu könnte auch der Wunsch von Berlin-Mäzen Hans Wall beitragen, der der Hauptstadt insbesondere wieder so kulturelle Höhepunkte wünscht wie die Schau des Museum of Modern Art im vergangenen Jahr.

Schauspielerin Anita Kupsch

Schauspielerin Anita Kupsch (64), die in dem Stück "Beziehungen und andere Probleme" spielte und zur Zeit in der Komödie am Kurfürstendamm vor ausverkauftem Haus in dem Solostück "Männer und andere Irrtümer" auftritt: "Für mich gibt's nur einen einzigen Wunsch: Gesundheit, Gesundheit, Gesundheit! Denn ohne sie ist alles nichts. Für Berlin wünsche ich mir, daß die Berliner ihren Humor nicht verlieren und wieder mehr Geld verdienen. Dann sollen sie es auch ausgeben, denn das würde mit dazu beitragen, daß es mit der Wirtschaft wieder etwas aufwärtsgeht."

Opernstar Jochen Kowalski

Jochen Kowalski (50) ist Altus und hat auch bei dem Silvesterkonzert der Komischen Oper mitgewirkt: "Ich wünsche mir Gesundheit und volle Konzertsäle, denn nichts ist für einen Künstler beglückender. Für Berlin wünsche ich mir, daß die Stimmung besser wird und die Menschen wieder zufriedener sind. Andere haben viel weniger und sind dennoch zufriedener. Das habe ich in diesem Jahr sehr oft festgestellt, als ich in Moskau war. Ja, und für die drei Berliner Opern wünsche ich mir, daß endlich Ruhe einkehrt und daß kein Haus geschlossen werden muß."

SPD-Chef Michael Müller

Michael Müller (40) ist der Berliner Landesvorsitzende der SPD und Fraktionsvorsitzender im Abgeordnetenhaus: "Ich werde mich bemühen, den Sonntag wieder komplett für meine Familie freizuhalten, was mir in der letzten Zeit durch die zusätzliche Funktion des Landesvorsitzenden nicht immer möglich war. Darüber hinaus möchte ich mich gesünder ernähren und auch ein wenig abnehmen. Politisch hoffe ich, daß die Berliner Wirtschaft im neuen Jahr kräftig wächst und daß möglichst viele Menschen durch das Reformprogramm in Arbeit kommen."

Hertha-Spieler Marcelinho

Der Brasilianer Marcelinho, 29, ist Spieler bei Hertha BSC: "Für 2005 habe ich mir sehr viel vorgenommen. Ich persönlich möchte gern Torschützenkönig der Bundesliga werden. Das kann ich schaffen, da wir mit Bastürk und Gilberto zwei tolle Vorbereiter haben. Mit ihnen komme ich noch häufiger gefährlich vor das gegnerische Tor. Damit steigen auch unsere Chancen auf den internationalen Wettbewerb. Die Uefa-Cup-Teilnahme ist das Ziel. Und spielen wir dort, hoffe ich, mich auch wieder für die Nationalmannschaft empfehlen zu können."

FDP-Fraktionschef Martin Lindner

FDP-Fraktionschef Martin Lindner: "Ich wünsche mir von ganzem Herzen, daß die vielen arbeitslosen Berliner in diesem Jahr nicht mehr als Arbeitslose Weihnachten feiern müssen. Ich wünsche mir, daß es Berlin gelingt, Wirtschaftskraft und damit viele Jobs nach Berlin zu holen. Ich wünsche mir, daß Berlin die Kurve schon 2005 kriegt und seine großen Chancen nutzen kann und daß der Senat aufhört, Berlin auszubremsen. Für mich hoffe ich im neuen Jahr auf Gesundheit, Freude an den Herausforderungen der Berliner Politik und vor allem viel Zeit für meine Kinder."

Intendantin Kirsten Harms

Kirsten Harms (48) ist seit dieser Saison Intendantin der Deutschen Oper Berlin an der Bismarckstraße in Charlottenburg. Sie will nach Jahren interner Krisen endlich wieder Stabilität ins Ensemble zurückbringen. "Ich wünsche mir, daß die Berliner Kulturszene auch in Zukunft einen bedeutenden Stellenwert einnimmt und wertgeschätzt wird. Um künstlerisch das Beste geben zu können, wünsche ich mir für die Deutsche Oper Berlin Ruhe und Kontinuität in der Arbeit sowie weiterhin eine so positive Stimmung im Haus und beim Publikum."

"Eisbär" Sven Felski

Sven Felski (30), Stürmer der Eishockey-Nationalmannschaft und des deutschen Vizemeisters EHC Eisbären: "Ich persönlich wünsche mir vor allem Gesundheit für meine Familie und mich. Das ist natürlich das Wichtigste. Ansonsten hatten wir ja mit den Eisbären in den vergangenen beiden Jahren immer etwas Pech, wenn es wirklich drauf ankam. Deswegen wäre es schön, wenn wir endlich mal so erfolgreich wären, daß wir am Ende richtig feiern können. Das heißt, daß wir das letzte Spiel der Saison gewinnen. Dann wären wir nämlich Meister."

Fraktionsvorsitzende Sibyll Klotz (Grüne)

Sibyll Klotz ist 43 Jahre alt und Fraktionsvorsitzende der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus. Was sie sich für die Politik und für sich wünscht: "Wenn im September die nationalen Pisa-Ergebnisse präsentiert werden, darf Berlin nicht im Bildungsschock versinken. Daher muß von Jahresbeginn an in Sachen Bildungspolitik was passieren. Denn in den Schulen und Hochschulen steckt die Zukunft unserer Stadt. Und so hoffe ich persönlich, daß meine Tochter mit einem Abitur von 2,2 als Berlinerin einen Studienplatz hier finden kann."

CDU-Fraktionschef Nicolas Zimmer

Nicolas Zimmer (34) ist Fraktionschef der CDU, was im vergangenen Jahr ein wohl mehr als anstrengender Job war angesichts interner Streitigkeiten und Problemen in Sachen Disziplin der Abgeordneten. Zimmer hat 2004 vieles versucht, um seine Fraktion wieder auf Linie zu bekommen. Doch in seinen Wünschen ist davon keine Rede: "Persönlich wünsche ich mir Glück und Gesundheit. Für Berlin wünsche ich mir mehr Arbeitsplätze, bessere Schulen und eine qualifiziertere Ausbildung für unsere Kinder sowie eine saubere und sichere Stadt."

Volleyballspieler Robert Kromm

Robert Kromm (20), Volleyball-Nationalspieler und Außenangreifer beim deutschen Meister SC Charlottenburg: "Am 5. Januar spielen wir mit dem SCC in der Champions League gegen Almeria. Zu gewinnen und dann weiterzukommen, ist eines meiner großen sportlichen Ziele. Und ich hoffe, daß wir wieder deutscher Meister werden. Das Wichtigste ist aber, gesund zu bleiben und sportlich voranzukommen, auch in der Nationalmannschaft. Familiär steht Ende des Jahres ein schönes Ereignis an. Meine Schwester möchte heiraten. Ich wünsche mir, daß alles so klappt, wie sie sich das vorstellt.

Unternehmer und Mäzen Hans Wall

Hans Wall: "Für Berlin wünsche ich mir weitere kulturelle Höhepunkte, wie es das MoMA war. Das ist nötig, damit es touristisch und wirtschaftlich bergauf geht. Und vom Berliner Senat wünsche ich mir, daß weiter an der Vereinfachung der Verwaltungsvorschriften und Genehmigungsverfahren für den öffentlichen Raum gearbeitet wird. Außerdem hoffe ich, daß sich mehr Berliner Unternehmen für die Stadt einsetzen.

Privat habe ich den großen Wunsch, daß es meiner Familie und meinen Mitarbeitern gesundheitlich gut geht. Das ist das Allerwichtigste.

IHK- und Alba-Chef Eric Schweitzer

Eric Schweitzer: "Berlin wünsche ich, daß sich der zarte wirtschaftliche Aufschwung 2005 weiter fortsetzt und festigt. Das positive, konstruktive Klima soll zu einem Normalzustand heranreifen. Wenn wir Ende 2005 auf weitere Unternehmensansiedlungen, die Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen zurückblicken können, hat sich mein größter Wunsch für unsere Stadt schon erfüllt. Für meinen Bruder Axel und mich steht die Entwicklung von Alba im Mittelpunkt des geschäftlichen Alltags. Generell haben Gesundheit und das Glück meiner Familie immer die höchste Priorität.

Eisschnelläuferin Claudia Pechstein

"Jedem, der sich die Schreckensbilder in Asien anschaut, wird vor Augen geführt, auf welcher "Insel der Geborgenheit" wir leben dürfen. Ein Jahr ohne Naturkatastrophe wäre schon ein frohes Jahr. Das höchste Gut ist die Gesundheit. Von daher wünsche ich mir, daß mein Mann, meine Familie und ich fit bleiben und wir unsere Ziele für 2005 erreichen können. Sportlich erhoffe ich mir, bei den Einzelstrecken-Weltmeisterschaften Anfang März in Inzell meine Bestform zu erreichen und in der zweiten Jahreshälfte den Grundstein für erfolgreiche Olympische Spiele 2006 in Turin legen zu können."

Maler Salomè

Der Maler, der sich Salomè nennt, heißt mit bürgerlichem Namen Wolfgang Ludwig Cilarz. Der "junge Wilde" wurde in den 80ern durch seine Bilder weltbekannt, die Schwimmer in Seerosenteichen zeigten. Selbst das MoMA in New York widmete ihm eine Ausstellung.

Was er sich für das Jahr 2005 wünscht? "Für mich wünsche ich mir vor allem Gesundheit, erst dann kommt der Wunsch nach Liebe. Für Berlin wünsche ich mir, daß die Menschen wieder mehr Selbstvertrauen haben und auch den Mut haben, etwas Neues anzupacken."

PDS-Chef Stefan Liebich

Stefan Liebich (32) ist Berliner Landesvorsitzender der PDS und Fraktionschef im Abgeordnetenhaus: "Obwohl ich noch recht jung bin, wünsche auch ich mir vor allem Gesundheit. Die Veränderungen in Berlin kosten ganz schön viel Kraft, das wird sicher auch im kommenden Jahr nicht anders werden. Darüber hinaus stehen uns wichtige Ereignisse ins Haus, wie zum Beispiel der 15. Jahrestag der ersten freien Wahlen in der DDR und das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 60 Jahren am 8. Mai. Diese Daten sollten wir in Berlin würdig begehen."