Das Landgericht Berlin muss morgen darüber entscheiden, ob die Fototafeln, die Bilder der Geschehnisse des 17. Juni 1953 zeigen, weiterhin an der Hauswand des Bundesfinanzministeriums an der Ecke Wilhelm- und Leipziger Straße hängen dürfen. Finanzminister Hans Eichel (SPD) - im Prozess als Vertreter der Bundesrepublik Deutschland - möchte, dass die Tafeln unverzüglich verschwinden.
Der in diesem Jahr verstorbene Gründer des Mauermuseums, Rainer Hildebrandt, hatte 1994 erreicht, dass am ehemaligen "Haus der Ministerien der DDR", dem heutigen Finanzministerium, Fototafeln angebracht werden konnten, die an den Volksaufstand vom 17. Juni 1953 erinnerten. Wegen Renovierung der Fassade wurden diese 1996 abgenommen, sie sollten später wieder montiert werden.
Da aber am 16. Juni 2000 der Berliner Senat ein anderes Denkmal am Ministerium aufstellen ließ, verzichtete man auf die Fototafeln. Alexandra Hildebrandt, Witwe von Rainer Hildebrandt und Betreiberin des Mauermuseums: "Auf dem Denkmal ist kaum etwas zu erkennen. Daher konnten wir Minister Eichel davon überzeugen, dass es wichtig sei, zum 50. Jahrestag des Volksaufstandes die Fototafeln wieder aufzuhängen." Allerdings sollte diese Erlaubnis nur für eine Woche gelten. Das Mauermuseum als Initiator ließ die Fotos jedoch hängen - bis heute.
Alexandra Hildebrandt: "Rechtlich kann Herr Eichel die Abnahme fordern. Aber die Tafeln sind an dieser Stelle unentbehrlich und ein sichtbarer Gegensatz zur Aussage des Frieses von Max Lingner, der an der Fassade angebracht ist." Dieses 25 Meter lange, bunte Werk zeigt das "süße Leben in der DDR". "Es stellt die Geschichte auf den Kopf", sagt Hildebrandt, "denn das Ministerium war 1953 der zentrale Schauplatz des Aufstandes."

