Der Schlachtensee - eine der nobelsten Ecken im grünen Südwesten Berlins. Elegante Villen prägen das Bild des Südufers. Auf der Nordseite schräg gegenüber beginnt der Grunewald. An sonnigen Tagen lockt der See tausende Berliner an. Nur das bis auf die Grundmauern abgerissene Hauptgebäude des traditionsreichen Ausflugslokals Fischerhütte und die Brache nebenan passen nicht so recht ins Bild. Bis jetzt. Doch nun - nach langen Verhandlungen und geänderten Plänen - erteilte der Bezirk grünes Licht für Neubau und Sanierung.

Gemeinsam mit dem Eigentümer der Fischerhütte, dem Gastronomen Josef Laggner, "haben wir einen Kompromiss gefunden und die Genehmigung am 28. Mai erteilt", so Baustadtrat Uwe Stäglin (SPD). Erlaubt seien nun 990 Plätze in Biergarten und Restaurantkomplex. Hinzu kämen noch einmal 190 Plätze in der ersten Etage, die jedoch mit flexiblen Wänden teilbar sein soll - darauf legte das Bezirksamt besonderen Wert.

Laggner will an die Glanzzeiten des Ausflugslokals anknüpfen, als sich Prominente wie Heinz Ehrhardt, Klaus Dahlen und Günter Pfitzmann im Gästebuch verewigten. Dem gebürtigen Österreicher gehören auch das Lutter & Wegner und die Newton Bar am Gendarmenmarkt.

Das Haupthaus soll eine Dependance der Weinhandlung Lutter & Wegner beherbergen. Daneben schließen sich die "Fischerstube" und das Restaurant "Fischerhütte" an. Der Veranstaltungsraum soll sowohl für Familienfeiern als auch für Lesungen oder "Events" zur Verfügung stehen. "Preußisch-bayerisches" Kolorit soll der Biergarten verströmen. Dem Trend zur Strandbar folgt der Geschäftsmann auch in diesem Jahr wieder: Am Seeufer stehen 20 Liegestühle.

"Dem Bezirksamt ist jetzt wichtig, dass mit dem Umbau nicht erst nach der Sommersaison begonnen wird", sagt Steglitz-Zehlendorfs Finanzstadtrat Klaus-Peter Laschinsky (SPD). Solche Befürchtungen zerstreut Laggner: Er will in diesem Monat anfangen, Anfang November soll das Gebäudeensemble fertig sein, der Biergartenbetrieb dabei ungehindert weitergehen. Vormittags würden die lautstarken Arbeiten verrichtet, von Mittag an gehe es leiser zu. Investiert würden zwischen 1,5 und 2,5 Millionen Euro.

Ursprünglich wollte Laggner über dem Restaurant 18 Hotelzimmer errichten, hatte dafür auch eine Genehmigung. Anfang des Jahres legte er diese Idee aber ad acta. Der Bedarf für einen großen Saal sei dringlicher. Dem widersprach der Bezirk. "Wir mussten uns erneut mit Behörden abstimmen", sagt Stadtrat Laschinsky. So stellte die Feuerwehr an einen Saal andere Brandschutz-Anforderungen als an Hotelzimmer.

Das Amt wollte zudem unbedingt vermeiden, dass Parkplatz suchende Gäste die Ruhe der Anwohner stören. Auf dem Grundstück der Fischerhütte gab es bislang knapp ein Dutzend Parkplätze. Ihre Zahl will Laggner, wie vom Bezirksamt genehmigt, auf 57 aufstocken. Eine Verkehrsuntersuchung habe gezeigt, dass es im näheren Umfeld einschließlich der Straße Elvirasteig 540 Stellplätze gibt, die bereits jetzt tagsüber bei gutem Wetter zu 80 Prozent ausgelastet seien, sagt Stäglin.

Läuft alles fristgerecht, sind die Zeiten frierender Spaziergänger im Winter also vorbei: Sie können sich dann am Kamin der Fischerhütte wärmen.