Wenn die Berliner ab Juni wieder zu den Konzerten und Kinovorführungen in die Waldbühne pilgern, werden sie aufs gewohnte Open-Air-Picknickvergnügen verzichten müssen. Die Senatsverwaltung für Jugend und Sport, der die Freiluft-Arena am Glockenturm unterstellt ist, will ab dieser Saison das Mitbringen von Speisen und Getränken ins Stadion nicht mehr dulden. Sie änderte die Hausordnung und verpflichtete den Betreiber der Waldbühne, den zur Deag (Deutsche Entertainment AG) gehörenden Konzertveranstalter Concert Concept, entsprechende Hinweise auf die Eintrittskarten zu drucken.
"Wir haben immer alle Augen zugedrückt, aber die Umstände lassen uns keine andere Wahl", sagt Peter Schließer, Verwalter des Olympiastadions und damit auch der Waldbühne. Erheblich angetrunkene Besucher hätten immer wieder zu einem Sicherheitsproblem geführt. "Wir können am Eingang nicht zwischen Gut und Böse unterscheiden." Bei maximal einem halben Liter pro Person im Tetra-Pack oder in einer Plastikflasche werde man aber nachsichtig sein, sagt Sabine Woeste, Projektleiterin bei Concert Concept. In der vorigen Saison war noch ein Liter erlaubt. Mit "riesengroßen Kühltaschen und Rucksäcken" sei das Berliner Publikum zu den Veranstaltungen angerückt, beschreibt Woeste das Problem. "Das Mitgebrachte will ja auch ausgebreitet werden. Damit bekommen wir jedoch ein Platzproblem." Es sei vorgekommen, dass Besucher mit Tickets deshalb keinen Platz gefunden hätten.
Waldbühnenbesucher wie die Spandauerin Eva Kroll sind empört und traurig: "Der Picknickkorb gehört nun mal zu einem Open-Air-Konzert! Und nun soll einem der Spaß an der Selbstverpflegung genommen werden, für den man unbequemes Sitzen und eventuellen Regen in Kauf nimmt", ärgert sie sich. "Viele werden jetzt überlegen, ob sie ihr Geld für die nicht gerade billigen Eintrittskarten künftig bei anderen Veranstaltern ausgeben."
Einzige Ausnahme bei der neuen Regelung: Die sommerlichen Klassikkonzerte der Philharmoniker dürfen auch weiterhin bei Champagner und Kerzenlicht genossen werden. Woeste: "Sekt oder Rotwein kann man ja schlecht in Plastikfläschchen umfüllen." Der Schritt sei nicht leicht gefallen. "Wir werden sehr moderat und freundlich um Verständnis bitten. Unser Service-Personal wird die Besucher ansprechen, Nummern verteilen und die Sachen bis zum Ende der Veranstaltung aufbewahren." Das Verbot sei in der ganzen Bundesrepublik üblich, sagt Woeste. Die Waldbühne habe immer eine Ausnahme gemacht.
Andere Städte sehen die Proviantfrage weniger verbissen: Im Münchner Olympiastadion sind zwar Getränke ebenfalls nur bis zu 0,5 Liter erlaubt. Die Brotzeit im Picknickkorb ist dort aber kein Problem.

