"Wir haben einen Gewinner und der ist ein Gewinn für die Gedenkstätte, denn der Entwurf ist aus einem Guss", freute sich gestern Pfarrer Manfred Fischer vom Trägerverein Berliner Mauer. Selbstverständlich war dieses Ergebnis offenbar nicht. Doch am Mittwochabend hatte das Bangen ein Ende, als die Jury unter Vorsitz von Donata Valentien von der Akademie der Künste mit 10 zu 1 Stimmen den Siegerentwurf zur Gestaltung der zentralen Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße kürte. Berlins Senatsbaudirektorin Regula Lüscher stellte den Entwurf für die Erweiterung der Gedenkstätte entlang der 1,3 Kilometer langen Bernauer Straße und zugleich des ehemaligen Grenzstreifens zwischen Nordbahnhof im Südwesten und Mauerpark im Nordosten gestern der Öffentlichkeit vor.
Gewonnen hat den mit 28 500 Euro dotierten ersten Preis eine Berliner Arbeitsgemeinschaft der Planerbüros Mola Winkelmüller Architekten, Sinai. und ONArchitektur. Der Siegerentwurf soll bis zum 50. Jahrestag des Mauerbaus, am 13. August 2011 realisiert werden, der neue Infopavillon bereits zum 20. Jahrestag des Mauerfalls am 9. November 2009 stehen. Die Senatsbaudirektorin nannte den Entwurf eine "außerordentlich schlüssige Arbeit", was angesichts der schwierigen Aufgabe nicht hoch genug zu bewerten sei. Der Entwurf für die 4,5 Hektar große Erinnerungslandschaft, die exemplarisch die Auswirkungen des Baus der Berliner Mauer verdeutlichen soll, zeichnet sich nach Ansicht des Preisgerichts gleichermaßen durch Zurückhaltung wie durch überzeugende gestalterische Mittel aus, die die Grenzlandschaft an der Bernauer Straße fassen und erkennbar machen. So sieht der Entwurf die Verwendung des rostroten Corten-Stahls als Hinweis auf authentische Spuren wie Fluchttunnel und Erinnerungsorte vor. Der Stahl wird bereits im bestehenden Denkmal als Begrenzung eines Mauerrestes verwendet. Als besonders markant hob Senatsbaudirektorin Lüscher gestern den geplanten Säulenvorhang aus Corten-Stahl hervor, der bestehende Mauerreste integriere und den Verlauf der Mauer räumlich erlebbar mache.
Der internationale, offene und einstufige Wettbewerb war Ende Juli dieses Jahres von Bund, Land Berlin und dem Träger der Gedenkstätte, dem Verein Berliner Mauer, ausgelobt worden. Die Aufgabe war anspruchsvoll, denn die Gedenkstätte war als würdiger Ort des Gedenkens der Maueropfer und Erinnerns an den Schrecken der Teilung zu gestalten. Gleichzeitig aber musste auch dem steigenden touristischen Bedürfnis an realen Mauerresten sowie der Wissensvermittlung und der Dokumentation individueller Schicksale Genüge getan werden. Die Senatsbaudirektorin wies daraufhin, dass angesichts dieser schwierigen Aufgabe von 171 angemeldeten Wettbewerbsteilnehmern letztlich nur 47 eine Arbeit einreichten. Sie bedauerte, dass die internationale Beteiligung relativ gering war, führte dies aber auf das Sujet des Wettbewerbs zurück. Ende Januar werden alle Entwürfe im Kronprinzenpalais ausgestellt. Vergeben wurden insgesamt vier Preise, angekauft zwei weitere Entwürfe. Bis 2011 werden insgesamt 28 Millionen Euro in die Gesamtanlage investiert, davon 14,5 Millionen Euro für Grundstücksankäufe im einstigen Mauerstreifen.



