Nach dem Abi an die Schauspielschule

Wenn die Schulleitung mit einer Flasche Champagner anrückt, dann kann ein Abiturient davon ausgehen, dass er nicht gerade eine schlechte Prüfung abgelegt hat. Im Gegenteil, Sven Dolinski bekam das edle Getränk von der Herder-Oberschule in Charlottenburg für die Bestnote 1,0. Doch er ist von sich selbst recht wenig beeindruckt: «Ich will Schauspiel studieren. Dafür brauche ich eigentlich kein Abitur.»

In der Tat, so fügt der 19-Jährige hinzu, sei er aber erleichtert und ein bisschen stolz. Ursprünglich steuerte Sven Dolinski auf ein Physikstudium zu, wählte Physik und Englisch als Leistungskurse. Im vergangenen Jahr aber kam die 180-Grad-Wende während eines Praktikums in der physikalischen Entwicklungsabteilung einer großen Firma. «Als ich sah, was die Physiker dort tagein, tagaus machen, hatte sich das erledigt.» Schauspiel war schon immer sein großes Hobby. Nach der Entscheidung für das Schauspielstudium hätte es Dolinski also ruhiger angehen lassen können für die Abi-Noten. «Aber dann war ich schon so drin und habe es durchgezogen.» Hartes Pauken allein, dies für eventuelle Nachahmer, ist aber nicht allein der Schlüssel für das 1,0-Geheimnis. Eher kontinuierliches Lernen «und sich in der mündlichen Prüfung gut präsentieren». An der Berliner Ernst-Busch-Schule hat dies offenbar funktioniert - Dolinski ist einer von 24 neuen Schauspielschülern, die von 1350 Bewerbern angenommen wurden - nach der Zivildienstzeit, die für ihn heute beginnt.

Seine Eltern spendierten ihm stolz den Führerschein, und ein Lehrer staunte kopfschüttelnd bei der Zeugnisübergabe: «. . . und das bei einem, der bis zur Oberstufe so faul war.» abü