Theo Teucher (Jahrgang 1952), studierte Germanistik und Politologie in Berlin. Regina Köhler sprach mit ihm über seine Dokumentation.

Berliner Morgenpost: Herr Teucher, warum dieser Film?

Theo Teucher: Ich habe viele Filmproduktionen in der Industrie gemacht und mich irgendwann gefragt, weshalb wir die besten Autos der Welt bauen, aber nicht in der Lage sind, den Schülern Lesen und Schreiben beizubringen. Das war der Anstoß für den Film.

Wo sehen Sie Ursachen dafür?

Im Haushalt bildungsferner Eltern haben 57 Prozent der Viertklässler einen eigenen Fernsehapparat. Bei Eltern mit hohem Bildungsstatus sind es 16 Prozent. Das Familienklima, die Erziehungsinhalte sind ausschlaggebend. Kinder müssen so früh wie möglich aktiv kommunizieren, Geschichten vorgelesen bekommen, erzählen können.

Für Ihre Dokumentation haben Sie viel Material gesammelt. Was geschieht damit?

Ich wollte von Anfang an nicht nur einen Film über eine Misere machen, sondern durch das Projekt auch den Betroffenen direkt helfen. Folgeprojekte sind ein internationales Schreibprojekt sowie ein Bildungsprogramm für Eltern. Das Schreibprojekt fordert Schüler auf, sich zu Themen der Weltliteratur zu äußern, aber auch über ihre Begegnung mit Werken der nationalen Literatur zu schreiben oder über ihre soziale Situation zu berichten. Den Eltern wollen wir nahe bringen, was von ihren Kindern in der Schule erwartet wird und das es für deren Lernerfolg wichtig ist, dass auch sie sich mit der deutschen Sprache und Kultur befassen.