Verlierer und Gewinner

Der Streik der Berliner Verkehrsbetriebe hat massive Folgen vor allem für die Berliner Einzelhändler.

Der Streik der Berliner Verkehrsbetriebe hat massive Folgen vor allem für die Berliner Einzelhändler. Sie zählen zu den klaren Verlierern des Ausstandes bei der BVG.

Von "erheblich negativen Auswirkungen" spricht Günter Päts, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg.

"Extrem betroffen sind die kleinen Fachhändler, die auf Laufkundschaft angewiesen sind", sagte Päts gestern dieser Zeitung. Die Umsatzeinbußen schätzt Päts auf bislang 80 Prozent. "Dauert der Streik länger, wird er eine Existenzbedrohung für Fachhändler sein." Verlierer des BVG-Streiks seien zudem die Kaufhäuser, so Päts mit Blick zum Beispiel auf die Kaufhäuser und Geschäfte rund um den Hermannplatz. Päts spricht von durchschnittlich 20 Prozent weniger Umsatz. Problematisch sei die Innenstadt um Kudamm und Tauentzien - "Bereiche, die auf die BVG angewiesen sind". Trotz der Möglichkeit, mit der S-Bahn bis zum Bahnhof Zoo zu fahren, bleiben viele Kunden aus. Weniger betroffen seien Lebensmittelläden: "Sie treten als Nahversorger auf."

Die Verteilung scheint klar: Geschäfte an den nicht bestreikten S-Bahnhöfen profitieren. Läden an den U-Bahnsteigen haben das Nachsehen - insgesamt rund 400 Läden mussten für die Dauer des Streiks schließen, so BVG-Sprecherin Petra Reetz. Aus Sicherheitsgründen seien diese Bahnhöfe gesperrt worden.

Der legendäre Konnopke's-Imbiss an der Schönhauser Allee, genau unter der U-Bahnstrecke der U 2, musste zwar nicht schließen. Doch das Team hat sich auf den Streik eingestellt. "Wir haben weniger Würste und Schrippen gekauft", so Geschäftsführer Mario Ziervogel (44). "Seit Streikbeginn kommen ein Drittel weniger Kunden." Trotzdem müsse der Imbiss noch keine Existenzängste erleiden.

Auch Messe-Händler der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) sehen sich als Streik-Verlierer. "Viele Kunden fehlten", so Bernard Rogge, selbstständiger Unternehmer in der Transportbranche. "Berlin wird geschädigt. Diese Messe zu gefährden, ist instinktlos von Ver.di." Die Folgen für Bernard Rogge, der seit rund 20 Jahren auf der Messe ist: "Ich musste Kundentermine verschieben, auch wichtige Vertragsunterzeichnungen."

Zu den Leidtragenden zählen auch die Berlin-Touristen. Zhu Hangjia (30) aus Peking ist wütend. Aus beruflichen Gründen ist er eigens nach Berlin gekommen. Er habe extra ein Hotel in U-Bahnnähe gewählt, um neben der ITB noch möglichst viel von der Stadt zu sehen. Durch den Streik sei dies nun nicht möglich.

Doch es gibt auch Branchen, die vom Streik profitieren. Dazu zählen die Taxifahrer und -unternehmen wie der Taxiverband Berlin-Brandenburg, der gut 1200 Fahrer in der Stadt beschäftigt. "Bisher hatten wir im Durchschnitt 70 Prozent mehr Umsatz", sagt der Vorsitzende Detlev Freutel. "Wir profitieren vom Streik." Zufriedenheit auch bei Taxifahrer Mesut Badem (23). "Der Streik verursacht zwar Staus, die wirken sich aber nicht auf das Zusatzgeschäft aus." Auf der Gewinnerseite sieht sich auch der 47-Jährige Martin Stutzbach, Geschäftsführer des Car-Sharing Unternehmens Stadtmobil Berlin. Für das junge Unternehmen kommt der Streik offenbar wie gerufen. "Denn viele Kunden brauchen einen Anstoß, um zum Car-Sharer zu werden", so Stutzbach. Er freue sich, dass die Autos circa 20 Prozent mehr frequentiert würden. Stutzbach setzt vor allem auch auf die Langzeitwirkung des Streiks: "Im Idealfall bleiben die Kunden dem Unternehmen ein Leben treu."

fil/jhe