Ach, so schlimm sei das alles doch gar nicht. Das sagen Piraten nun, nachdem sich am Abend Mitglieder des Bundesvorstandes beim Kurznachrichtendienst Twitter einen Schlagabtausch geliefert haben.
Am Morgen danach ist zunächst Beschwichtigung angesagt. Bei Twitter offene Gräben überdecken. So, wie es auch jede andere Partei tun würde. Doch mit einem im Internet ausgetragenen Streit ist es wie mit der Zahnpasta, die zurück in die Tube soll: Keine Chance. Und so wird schnell klar, dass es zu einem Showdown im Bundesvorstand gekommen ist: Der stellvertretende Bundesvorsitzende Sebastian Nerz gegen den umstrittenen politischen Geschäftsführer Johannes Ponader. Der Ausgang ist offen.
„Es gibt ein Problem des Vorstandes mit Johannes Ponader“, sagt Nerz. Ponader ignoriere Mehrheitsmeinungen des Vorstandes, wenn diese ihm nicht passten. „Teilbereiche des Vorstandes sind heute nicht arbeitsfähig“, erklärte der Vizevorsitzende. Nerz sieht nur noch zwei Wege aus der Krise. Beide sind drastisch: Entweder würden Aufgabenbereiche nur noch einzeln bearbeitet. So etwas wie eine gemeinsame Medienstrategie wäre dann nicht mehr möglich. Oder, so findet Nerz: „Es müssen personelle Konsequenzen gezogen werden.“
Vorstand fühlt sich von Ponader hintergangen
Der Streit eskalierte, nachdem sich ein paar Vorstandspiraten von Ponader hintergangen fühlten. Bei einem Treffen des Gremiums am vergangenen Wochenende in Hamburg wurde nach Angaben von Teilnehmern heftig über die Auftritte von Ponader in den Medien diskutiert. Anschließend beschloss der Vorstand mehrheitlich, Ponader solle sich für eine Weile komplett vom öffentlichen Parkett zurückziehen. Teile des Vorstandes hatten zuvor sogar damit gedroht, andernfalls das Gremium zu verlassen. Der Geschäftsführer hielt den Vorschlag allerdings nicht für sinnvoll. Er folgt damit seiner Leitlinie: Er ist dem Parteitag verpflichtet, der ihn gewählt hat – aber nicht dem Vorstand. Und nun wurde bekannt, dass Ponader weiterhin eine Einladung zur Talkshow von Benjamin von Stuckrad-Barre annehmen möchte.
Piraten im Abwärtstrend
Der Streit ist besonders heikel, da die internen Querelen mittlerweile den geplanten Einzug in den Bundestag gefährden: Am Donnerstag wurde bekannt, dass die Piraten im Deutschlandtrend von ARD und „Welt“ erstmals seit einem Jahr unter die Fünf-Prozent-Hürde gefallen sind. Demoskopen machen für den Abwärtstrend auch den regelmäßigen Wirbel um Ponader verantwortlich: Der 36-Jährige mit den Sandalen ist wohl der Pirat, der am meisten polarisiert. Die Mehrheit des Vorstandes war dagegen, die parteipolitische Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen so eng mit dem persönlichen Schicksal Ponaders zu verknüpfen. Ponader hielt dennoch an seinem Plan fest.
Der nächste Wirbel folgte, nachdem eine von Ponader begrüßte Spendenaktion für seinen Lebensunterhalt im Notfall bekannt geworden war. Da hagelte es sogar Rücktrittsforderungen. Nachdem es kurzfristig etwas ruhiger um Ponader geworden ist, sagt Nerz jetzt: „Mittlerweile ist ein Punkt erreicht, an dem man den grundlegenden Konflikt öffentlich machen muss.“

