SPD-Kanzlerkandidat

Wowereit sieht in Steinbrück richtige Alternative zu Merkel

Die SPD hat sich in der K-Frage festgelegt - auf Steinbrück. Die Entscheidung wird nicht nur von Berlins Regierendem Bürgermeister begrüßt.

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Der frühere Bundesfinanzminister Peer Steinbrück soll Kanzlerkandidat der SPD für die Bundestagswahl 2013 werden. Das bestätigte der Parteivorsitzende Sigmar Gabriel am Freitag in Berlin.

Steinbrück solle in einer Sondersitzung des Parteivorstands am Montag nominiert werden. Gabriel betonte, die Macht der Märkte müsse gebändigt werden und ein neues soziales Gleichgewicht in Deutschland erlangt werden. Darum gehe es bei der Wahl im kommenden September. „Für dieses Ziel und diese Aufgabe ist Peer Steinbrück der beste Kandidat.“

Er habe die Unterstützung der ganzen Partei. Zuvor hatte Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier seinen Verzicht erklärt. Gabriel betonte, er habe dies vor vier Wochen von Steinmeier erfahren. Nachdem dieser Verzicht Steinmeiers am Freitag öffentlich bekannt wurde, hatte Gabriel kurzerhand einen Termin in München abgesagt und war nach Berlin gereist.

K-Frage wurde zur Belastung für die SPD

Wahrscheinlich im September 2013 tritt der 65-jährige Steinbrück gegen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) an. Bislang war die Nominierung für frühestens Ende des Jahres geplant gewesen.

In den vergangenen Tagen hatte jedoch vor allem in den SPD-Landesverbänden der Druck spürbar zugenommen, die Entscheidung vorzuziehen. Wenn die K-Frage noch wochenlang im Fokus stehe, könne die Partei nicht mit ihren Inhalten durchdringen, hieß es.

Da in Niedersachsen am 20. Januar ein neuer Landtag gewählt wird, soll die offizielle Kür Steinbrücks im Dezember in Hannover erfolgen. Der 65-Jährige ist seit 1969 Mitglied der Partei und gilt als Mann der klaren Worte – auch gegenüber der eigenen Partei.

Für Wowereit ist Steinbrück die „richtige Alternative“ zu Merkel

Von 2002 bis 2005 war er in einer rot-grünen Koalition Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, von 2005 bis 2009 Bundesfinanzminister, seitdem ist er nur noch einfacher Bundestagsabgeordneter – zuletzt legte er ein neues, viel beachtetes SPD-Konzept zur „Bändigung der Finanzmärkte“ vor.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat die Spitzenkandidatur Steinbrücks begrüßt. „Mit Steinbrück hat die SPD einen hervorragenden Kandidaten“, sagte Wowereit, der zugleich stellvertretender Parteivorsitzender ist.

Steinbrück verkörpere „gerade in Zeiten der Finanzkrise mit seinem finanzpolitischen Sachverstand die richtige Alternative zur Kanzlerin und ihrer Politik“.

Steinbrück wird Merkel nicht schachmatt setzen

Die CSU-Landesgruppenvorsitzende Gerda Hasselfeldt gibt Peer Steinbrück als SPD-Kanzlerkandidat unterdessen keine Erfolgschancen. „Eines lässt sich bereits jetzt sagen: Dieser Kandidat wird Kanzlerin Angela Merkel nicht schachmatt setzen“, sagte Hasselfeldt am Freitag. Die überstürzte Entscheidung für Steinbrück und das Hin und Her der vergangenen Wochen zeigten die Zerrissenheit der SPD. „Hier herrscht Panik angesichts der Beliebtheit unserer Bundeskanzlerin.“ Auf Steinbrücks innerparteilichen Spagat angesichts von Differenzen mit weiten Teilen der SPD dürfe man gespannt sein.

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier hat dem designierten Kanzlerkandidaten seiner Partei, Peer Steinbrück, volle Unterstützung für den Bundestagswahlkampf zugesagt. Steinbrück sei der richtige Kanzler für Deutschland, sagte Steinmeier am Freitag in Berlin. Er wollte selbst nicht erneut als Kandidat der Sozialdemokraten antreten. Er werde sich im Wahlkampf „so engagieren, als wär"s mein eigener“, sicherte Steinmeier Steinbrück zu.

Auch der baden-württembergische SPD-Chef Nils Schmid sieht Peer Steinbrück als idealen Kandidaten für das Kanzleramt. „Peer Steinbrück ist erste Wahl. Ich bin überzeugt davon, dass er genau der richtige Mann zur richtigen Zeit ist, der die SPD bei der Bundestagswahl zum Sieg führen kann“, teilte Schmid am Freitag in Stuttgart mit. „Bei ihm als Kanzler wäre Deutschland in guten Händen. Und im Gegensatz zu Frau Merkel weiß man genau, wofür er steht.“ Schmid verwies darauf, dass Steinbrück ein „hoch anerkannter“ Finanz- und Wirtschaftsexperte sei. Daher böte sich gerade für Baden-Württemberg mit ihm eine ideale Perspektive.