Ex-Bundespräsident

Christian Wulff distanziert sich von Ex-Sprecher Glaeseker

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Ulrich Exner

Lange hat Glaesker geschwiegen, jetzt wird der Bruch mit seinem ehemaligen Chef offenbar: Der Ex-Sprecher sei „in hohem Maße irritiert”.

Christian Wulff schweigt. Obwohl er viel zu sagen hätte: Zu den Umständen seiner Demission und wohl auch zu Olaf Glaeseker, Wulffs einst engstem Vertrauten, der an diesem Wochenende erstmals öffentlich auf Distanz gegangen ist zu seinem alten Chef. Damit bestätigt Glaeseker den Bruch zwischen den beiden, zu dem es bereits im Dezember 2011 gekommen war; erklärt ist dieses Zerbrechen einer Freundschaft bis heute jedoch nicht.

Olaf Glaeseker, bis Dezember Sprecher des damaligen Bundespräsidenten Wulff, fühlt sich zu Unrecht geteert und gefedert. Ihm ist nun offensichtlich der Kragen geplatzt. Glaeseker hat lange geschwiegen. An diesem Wochenende aber schickt er seinen Anwalt Guido Frings los, um der Öffentlichkeit via „Bild am Sonntag“ mitzuteilen: Glaesekers Verteidigung sei „verwundert, in hohem Maße irritiert“. Sie finde „vermeintliche Aussagen befremdlich, da sie nicht mit dem Kenntnisstand der Verteidigung auch nur ansatzweise in Einklang zu bringen sind“.

Es muss schon einiges im niedersächsischen Busche sein, wenn eine Verteidigung glaubt, „vermeintliche Aussagen“, also Kolportagen, öffentlich dementieren zu müssen.

Bericht: Wulff distanzierte sich in Vernehmung von Glaeseker

Das Juristen-Gedrechsel des Glaeseker-Anwalts bezieht sich auf einen Bericht des „Focus“, in dem es heißt, dass Wulff im Juni vor der Staatsanwaltschaft in der Sache Glaeseker ausgesagt habe. Wulff habe sich in einer dreistündigen Vernehmung von seinem früheren Sprecher distanziert. Von dessen Sponsorensuche und Gratisurlauben bei dem Partyveranstalter Manfred Schmidt habe der damalige niedersächsische Ministerpräsident nichts gewusst.

Die hannoverschen Juristen bestätigten am Wochenende nur, dass Wulff in der Sache Glaeseker vernommen worden sei, zu Einzelheiten werde man sich hingegen nicht äußern.

Olaf Glaeseker wird zur Last gelegt, in seiner Zeit als Sprecher des niedersächsischen Ministerpräsidenten Wulff Sponsoren für den von Manfred Schmidt veranstalteten „Nord-Süd-Gipfel“, einer Promi-Sause auf dem eigens teilgesperrten hannoverschen Flughafen, geworben zu haben. Quasi im Gegenzug habe Glaeseker dann Gratisurlaub in Schmidts spanischer Finca gemacht. Wobei sich Schmidt und Glaeseker (sie nannten sich „Schnulli“ und „Oberschnulli“, man erinnere sich) seit Jahrzehnten kennen, auch aus Zeiten, in denen Glaeseker nicht im öffentlichen Dienst tätig war.

Die Ermittlungen finden also in einer Grauzone zwischen Beruflichem und Privatem statt. Ob Anklage erhoben wird oder nicht, steht ebenso in den Sternen wie im Fall Wulff.

Wulff rechnet mit Einstellung der Ermittlungen

Der Ex-Präsident muss sich gegen Vorwürfe wehren, er habe einem Filmunternehmer und einem hannoverschen Versicherer politische Vorteile verschafft und dafür im Gegenzug ebenfalls Hotel- und Ferienhaus-Aufenthalte bekommen. Wulff selbst rechnet damit, dass die Ermittlungen gegen ihn am Ende eingestellt werden.

Man kann sich vorstellen, dass Hannovers Staatsanwälte die Wahrscheinlichkeiten in den Fällen Glaeseker und Wulff besonders sorgfältig berechnen werden. Vor dem Spätsommer oder Frühherbst wird es in Sachen Wulff und Glaeseker vermutlich keine Ergebnisse geben, und selbst dann wird es voraussichtlich nur ein Zwischenstand, eine Einschätzung der Ermittler zum Stand des Verfahrens sein, der bekannt gegeben wird. Das lange Warten des Christian Wulff dauert an.

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