Nordrhein-Westfalen

Christian Lindner erhält 99,8 Prozent der FDP-Stimmen

Alle Hoffnungen richten sich auf Lindner. Bei der Wahl zum Spitzenkandidaten der NRW-Liberalen bekommt er ein Traumergebnis.

Foto: DAPD

Minutenlange Ovationen, fast einstimmig zum Spitzenkandidaten gewählt: Das Antidepressivum Christian Lindner zeigte am Sonntag auf dem Parteitag der nordrhein-westfälischen FDP in Duisburg Wirkung. Damit sich die Stimmung bei den Liberalen bis zur Landtagswahl am 13. Mai nicht eintrübt, hatte der 33-Jährige für die Delegierten auch einen Rat parat: „Ich empfehle, bis zum Wahltag keine Umfragen mehr zu lesen.“ Denn die sagen der FDP, trotz eines leichten Aufschwungs seit dem Comeback von Lindner, ein Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde voraus.

Im vergangenen Dezember hatte sich Lindner durch seinen überraschenden Rückzug vom Amt des FDP-Generalsekretärs ins innerparteiliche Abseits manövriert. Gut drei Monate später gilt er als beinahe einziger Hoffnungsträger der Partei. Schleswig- Holsteins FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki, für den es bei der Wahl am 6. Mai ebenfalls um alles oder nichts geht, hat ihn bereits zum künftigen Bundesvorsitzenden ausgerufen: „Er weiß selbst, dass dies im Prinzip irgendwann auf ihn zulaufen wird.“ Er sehe in der Bundespartei niemanden mit vergleichbar großem Potenzial.

Lindner reduzierte seine Rolle als Generalsekretär auf eine Art Ausflug in die Bundespolitik. „Zwei Jahre lang habe ich Berliner Luft geschnuppert. Jetzt bin ich wieder hier zu Hause in Nordrhein- Westfalen.“ Noch-Landeschef Daniel Bahr, der den Parteivorsitz an Lindner abgeben wird, reklamierte das Lindner-Comeback als seine Idee. Es sei gut, dass sich der neue Hoffnungsträger „von der Reservebank durch mich zurückrufen lässt auf das Spielfeld“.

Den ersten Wettbewerb mit der Konkurrenz konnte Lindner gewinnen. Er erzielte das beste Ergebnis aller am Wochenende gewählten Spitzenkandidaten. 99,8 Prozent der Delegierten machten ihn zur Nummer eins der Landesliste: 394 von 395 abgegebenen Stimmen für Lindner, nur einer stimmte gegen ihn. Die Liberalen überboten damit sogar die Sozialdemokraten, die tags zuvor Ministerpräsidentin Hannelore Kraft mit 99,3 Prozent zu ihrer Spitzenkandidatin gemacht hatten.

Lindner setzt auf einen Wahlkampf „allein gegen alle“. Ob SPD, Grüne oder CDU, er ließ an keinem der Konkurrenten ein gutes Haar. SPD und Grüne betrieben eine verantwortungslose Schuldenpolitik, die CDU biedere sich bei den Grünen an, um nach der Wahl eine schwarz-gelbe Koalition bilden zu können. CDU-Spitzenkandidat Norbert Röttgen ist für Lindner gar „der klügste aller Grünen“. Und die Piraten? „Keine liberale Partei“, sondern „eine Art Linkspartei mit Internetanschluss“.

Doch der Jubel um Lindner konnte die Unsicherheit unter den NRW- Liberalen nicht ganz verdecken. Die bekam ihr Fraktionschef Gerhard Papke zu spüren. Papke hatte mit seinem Nein zum Haushalt die Neuwahl und damit die Probe auf die Existenz der FDP ausgelöst. Ein Delegierter warf ihm deshalb schwere taktische Fehler vor. Das war zwar eine Einzelstimme, doch für Papke war das Ergebnis der Wahl auf Listenplatz zwei alles andere als berauschend. Papke erhielt 74,4 Prozent. Ganz glücklich waren die Delegierten mit der Strategie ihres parlamentarischen Vormanns wohl nicht.