Altkanzler

Katze, Kinder, Küche – Schröders zweite Karriere

Doris Schröder-Köpf gewinnt die Kampfabstimmung und zieht für die SPD in den niedersächsischen Landtagswahlkampf. Auch auf ihren Mann warten nun neue Herausforderungen.

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So richtig von Herzen, sagt Doris Schröder-Köpf als endlich alles entschieden ist, sei die Gratulation ihres Gatten womöglich nicht gekommen. „Glückwunsch“ habe der Gerd nur gesagt, als sie ihm am Handy berichtete, dass sie soeben die Kampfabstimmung um die SPD-Kandidatur für den Landtagswahlkreis 24 geschickt habe.

25 Stimmen für sie, nur 14 für ihre Gegenkandidatin Sigrid Leuschner , die auf halbem Weg schon wie die sichere Siegerin ausgesehen hatte. „Glückwunsch“. Gerhard Schröder, der Bundeskanzler gewesen ist, wird wissen, was jetzt auf ihn zukommt: Katze, Kinder, Küche. Auch das ist eine zweite Karriere.

Denn eins ist jetzt klar, das sagt nicht nur Angelo Alter, der SPD-Ortsvereinsvorsitzende in Hannover-Döhren: „Die Doris wird jetzt sehr viele Pflichttermine haben“. Es wird nicht mehr sehr viel Zeit bleiben für Haushalt und Erziehung. Am Wochenende geht’s gleich los mit „Hannover putzmunter“, einer Frühjahrsaktion der Abfallwirtschaft Region Hannover.

Schröder vermutlich wieder für die Kinder zuständig

Schröder-Köpf wird dann mit Arbeitshandschuhen und Müllbeuteln dafür sorgen, dass auch die eher finsteren Ecken ihres Wahlkreises ein wenig sauberer werden. Das ganze für einen guten Zweck natürlich. Und für ihr nächstes Ziel: Der CDU, deren Kandidat den Landtagswahlkreis 24 vor fünf Jahren gewonnen hat, das Mandat abzunehmen und so hundertprozentig sicher zu sein, nach der Wahl im Januar 2013 Parlamentarierin zu werden.

Eine Absicherung über die Landesliste ist derzeit jedenfalls deutlich ungewisser, als die Prognose, dass Gerhard Schröder an diesem Sonnabend wieder mal für die Kinder zuständig sein wird. Und das ist erst der Anfang.

Doris Schröder-Köpf hat sich viel vorgenommen für die kommenden Monate. Alle zu ihrem Wahlkreis gehörenden Hannoverschen Stadtteile will sie, soweit irgend möglich, zu Fuß ablaufen, ein Gespür bekommen für die Verhältnisse vor Ort. Kirchrode, Bemerode, Döhren, Wülfel, Mittelfeld – das sind ziemlich weite Wege.

Unterwegs will die 48-Jährige Seiteneinsteigerin, die wegen ihrer Kanzlergattinnenvergangenheit teilweise noch sehr skeptische Parteibasis von ihrer Eigenständigkeit überzeugen. Und dann Wähler gewinnen. Und Wählerinnen natürlich. Schröder-Köpf sei, so sagen es die Genossen von der Parteispitze vor Ort, „eine große Bereicherung“ für die SPD in Hannover.

Wahlkämpferinnen mit einer so starken Ausstrahlung ins bürgerliche Lager hinein müsse man mit der Lupe suchen. Und dann findet man immer noch keine Zweite. Man liegt also sicher nicht falsch, wenn man behauptet, dass Niedersachsens SPD-Spitze sehr zufrieden ist mit dem Ausgang der Kampfabstimmung im Wahlkreis 24.

14 Stimmen" seien "ihrer Arbeit unwürdig"

Es spricht für das Fingerspitzengefühl, auch für den Anstand des sozialdemokratischen Spitzenkandidaten Stephan Weil, dass er in seiner ziemlich kämpferischen Wahlkampfrede zum Abschluss dieses Abstimmungsabends in der Aula einer hannoverschen Gesamtschule nicht Doris Schröder-Köpf, sondern einzig und allein Sigrid Leuschner namentlich heraushebt und ihr einen kleinen Kranz windet.

Die Unterlegene, die bisherige Landtagsabgeordnete, deren politische Karriere durch Schröder-Köpfs Kandidatur viel früher endet, als sie das geplant hatte. Die noch unmittelbar vor der Abstimmung in einem Klassenraum der Integrierten Gesamtschule Mühlenberg überaus optimistisch gewesen ist, ihre 1994 begonnene Parlamentskarriere weiter fortsetzen zu können.

Schließlich hatte das äußerst umständliche Abstimmungsverfahren in den Ortsvereinen ergeben, dass die Wahlkreisdelegierten eigentlich ihr eine knappe Mehrheit hätten geben sollen. Pustekuchen. Weils lobende Worte hörte die auch von konservativen Politikern geschätzte Innenexpertin Leuschner nicht mehr.

Sie ist nach der Abstimmung lieber nach Hause gegangen. „Sehr enttäuscht“ und einigermaßen empört darüber, dass „ausgerechnet der eigene Ortsverein“, dem sie selbst 14 Jahre vorgesessen hatte, sie derart über die Klinge hat springen lassen. „14 Stimmen“, findet Leuschner, seien „ihrer Arbeit unwürdig.“

Als Promi-Malus wahrgenommen

Man kann jetzt lange darüber spekulieren, woran es gelegen hat, dass Leuschner mindestens sechs sicher geglaubte Stimmen abhanden gekommen sind. Am Promi-Bonus, den Schröder-Köpf im Laufe der vergangenen Wochen allerdings eher als Promi-Malus wahrgenommen hat. Oder daran, dass der Gewerkschaftsflügel der SPD, zu dem Leuschner gehört, unterm Strich auch in Hannover nur eine Minderheit darstellt.

An der besseren Kandidatenrede der früheren Kanzlergattin, die mit den Themen Gauck und Schlecker geschickt die Aktualität eingebaut hatte bei ihrer Vorstellung. Oder am schnöden Verrat, den Leuschner verantwortlich macht, „ausgerechnet im eigenen Ortsverband“, dem sie nun den Rücken kehren will.

Es sei, so berichtet ein Teilnehmer der hinter verschlossenen Türen tagenden Wahlkreiskonferenz, vor der Abstimmung ziemlich laut geworden unter den Delegierten. Am klaren Ergebnis der Abstimmung änderte das nichts.

Doris Schröder-Köpf, das lässt sie durchblicken, wenn man sie fragt zwischen all dem Blitzlichtgetümmel, wird mit großer Sicherheit nicht ins Schattenkabinett des SPD-Spitzenkandidaten eintreten. Sie wolle sich erst einmal auf die Wahlkreisarbeit konzentrieren, das sei „die Königsdisziplin“.

Ein Ministeramt, das ihr wohl gesonnene Genossen zutrauen, strebe sie keinesfalls an. Zumindest diese Ansage dürfte auch Gerhard Schröder gerne gehört haben.