Kinder, Küche, Hund

Altkanzler Schröder und das "Gedöns" des Alltags

Vertauschte Rollen: Während Altkanzler Schröder im Haushalt und mit Hausaufgaben kämpft, arbeitet seine Gattin an ihrer politischen Karriere.

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Es wird wieder so ein Tag, an dem sich alle Teller gleichzeitig drehen müssen. Kinder, Küche, Hund – und Wahlkampf, die Entscheidung. Doris Schröder-Köpf, schon voreilig abgeschrieben in ihrem Kampf um eine eigene politische Karriere, steckt nun doch wieder mittendrin in der politischen Mühle.

Am 21. März entscheiden die Delegierten der SPD-Wahlkreiskonferenz für den niedersächsischen Wahlkreis Nummer 24, ob sie bei der Landtagswahl am 20. Januar 2013 die Ehefrau des früheren Kanzlers ins Rennen schicken wollen. Oder doch die verdiente Genossin Sigrid Leuschner, die seit 1994 mit zähem, aber häufig unbemerktem Einsatz ihren Sitz im Landtag verteidigt. Gewinnt „die Doris“ (Altkanzler-Jargon) gegen „die Siggi“ (SPD-Jargon), dann hätte die gelernte Journalistin, die seit 1997 mit Gerhard Schröder verheiratet ist, ihren Parlamentssitz fast sicher.

Landtagswahlkampf, Landtagsmandat, Landtagstermine

Zu Hause dagegen, wo es auch darum geht, den eigenen Weg durchzuboxen gegen einen altgedienten Sozi, ginge es dann vermutlich erst richtig los. Landtagswahlkampf, Landtagsmandat, Landtagstermine, da braut sich ganz schön was zusammen.

Gerhard Schröder, 67, dessen Rechtsanwaltsbüro Doris Schröder-Köpf, 48, ebenso führt wie seinen Haushalt, tut sich offenbar schwer mit jener neuen Aufgabe, die ihm seine Gattin übertragen hat und die er zunächst einmal vermutlich auf die bewährte leichte Schulter genommen hat. Wie man das eben macht mit „dem Gedöns“.

Eine solche Vermutung liegt zumindest nahe, wenn man liest, wie es war, als Frau Schröder-Köpf Herrn Schröder die für ihn ungewohnte Situation nahegebracht hat: „Erst fand er es einfach nur gut. Jetzt merkt er die Folgen“, erzählte sie der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“, fügte dann aber deeskalierend hinzu:

„Nein, im Ernst: Wir sind gerade dabei, die Arbeiten im Hause neu zu organisieren. Mein Mann übernimmt jetzt mehr Aufgaben, organisiert die Termine der Kinder mit, kümmert sich auch mal um die Hausaufgaben und so weiter. Das ist schon eine Umstellung für jemanden, der in den vergangenen Jahren mehr international unterwegs war als in Deutschland.“

Klar, es ist schon etwas kompliziert, im Auge zu behalten, wann Käse im Kühlschrank fehlt. Oder Ideen fürs Frühstücksbrot zu haben. Andererseits versteht der Altkanzler vermutlich auf Anhieb die Wahlordnung für die Aufstellung einer SPD-Landtagskandidatin im Wahlkreis 24, Hannover-Döhren.

Schlecht für sie, aber gut für ihn

Die schreibt vor, dass zunächst einmal fünf Ortsvereine separat bestimmen müssen, wen sie denn gern entsenden würden in Niedersachsens Landesparlament. Dazu gibt es je eine Mitgliederversammlung samt Abstimmung. Von diesen Abstimmungen hat Doris Schröder-Köpf zwei gewonnen und Sigrid Leuschner auch zwei. Die fünfte endete unentschieden. Auf Basis dieser Ergebnisse haben die Ortsvereine im Folgenden entsprechend ihrer Größe Delegierte für die Wahlkreisversammlung nominiert.

Diese Delegierten, und nun wird es sehr schwer nachvollziehbar, sind einerseits gebunden an das Votum ihres Ortsvereins, andererseits aber auch nicht. Man erwartet zwar das eine, aber das andere ist eben auch möglich. So in etwa.

Fakt ist jedenfalls, dass von den 40 stimmberechtigten Mitgliedern der Wahlkreiskonferenz im Prinzip 21 für Sigrid Leuschner stimmen müssten und 19 für Doris Schröder-Köpf. Was schlecht wäre für die Karriere der einstigen Kanzlergattin, aber vielleicht ganz vorteilhaft für den einstigen Kanzler.

21. März, dem Tag der Entscheidung

Allerdings haben die ersten Wahlkreis-Delegierten bereits verlautbaren lassen, dass sie überhaupt nicht daran denken, so abzustimmen, wie es die Ortsvereinsmitglieder vorgegeben haben, sondern eher nach Gutdünken. Also ist nichts entschieden. Kanzler, der Kampf geht weiter.

Doris’ Wahlkampf genauer gesagt. Am Infostand auf dem Stephansplatz genauso wie neulich bei der Prunksitzung der „Funkenartillerie Blau-Weiß Döhren“. Und natürlich am 21. März, dem Tag der Entscheidung. Für den wird sich die Kandidatin einen Babysitter organisieren müssen. Der Vize-Manager im Hause Schröder steht an diesem Abend nicht zur Verfügung. Er hat einen dringenden auswärtigen Termin. Betriebsausflug mit seinen Büromitarbeitern zum Udo-Lindenberg-Konzert.